Vancouver Island - der Süden (Saanich-Halbinsel) und Victoria

So, wie die Niagaras ein MUSS sind, ist Vancouver-Island ein fester Bestandteil aller Vancouver-Reisen.
Wie schon im Etappenbericht BC3 -Cariboo bis Vancouver- kurz eingeflochten, gibt es zwei Haupt-Fährverbindungen vom Festland nach Vancouver-Island: Von Northern Vancouver: Horseshoebay - Nanaimo und hier geht dann der Hwy 1 weiter nach Victoria
vom Süden Vancouvers aus: Tsawwassen - Sidney und dann über den Hwy 17 ebenfalls nach Victoria.
Ich wurde über die südliche Verbindung gelotst, was ganz natürliche Gründe hatte: Ali, unser Patenkind, jobbt auf den BC Ferries und sie kam mit "ihrem Schiff" -der Queen of Saanich- nach Tsawwassen, um mich dort abzuholen, denn damit war der PKW dann kostenfrei, nur ich als Passagier musste bezahlen.
Das gleiche galt dann auch für die letzte Fährbenutzung auf dem Weg zum Flughafen Vancouver.
Nach Ankunft der Fähre hatten wir nur wenige km zu fahren und standen schon nach wenigen Minuten vor dem Haus von Ali und Trevor und....unserem "good boy" Austin Alexander.
Der Nachmittag gehörte der Eingewöhnung, dem Erzählen und natürlich dem Kontaktaufbau zwischen AA und "Opa Rainer".
Aber sofort am nächsten Tag machte ich mich auf, um "Sidney by the Sea" zu besichtigen, ein rühriges Städtchen (11 TEW). Wirklich, hier könnte man durchaus wohnen, würde nicht der auf der anderen Strassenseite gelegene Flughafen von Victoria einen recht hohen Lärmpegel bescheren. Zwar starten hier keine Langstreckenflieger, aber innerkanadische allemal und dazu ein starker Geschäftsflieger-Verkehr in Verbindung auch mit Flugschulen (nun ja, das haben wir bekanntlich am Ende meiner Reise auch noch ausgenutzt (siehe Bilder dort). Leider hatte ich keine bessere Unterkunft gefunden als gerade auf Orchard St (Orchard B&B) und da gingen die Flieger in Steinwurfweite drüber weg. Meine Anmerkungen zu Orchard B&B habens in sich, siehe wieder im Reisetagebuch.
Sidney liegt auf der Saanich-Halbinsel, die Saanich sind "natives", also Ureinwohner, die auch starke verbriefte Rechte haben. So dürfen z.B. die angeschwemmten "logs", Baumstämme, und anderes Treibholz oder generell Treibgut nur durch die Saanich verwertet werden. Aber wie bei vielen "natives" gibt es auch hier starke Schattenseiten: Alles bleibt stehen und liegen wie es gerade kommt, ob das alte Autos, Trecker, auch Häuser, Strassen (Gravel) oder irgendetwas anders ist - von Ordnung muss man sich verabschieden. Ich habe einmal in dieser Zeit die Sanierungsarbeiten an einer Schule (kombiniert Holz und Stein) gesehen, nämlich die Neueindeckung des Daches, ich denke, in 6 Tagen bin ich 4 x vorbeigefahren ohne irgendwelche Veränderung zu sehen.
Im Gegensatz zu dieser Lebensweise steht dann das "gepflegte Eigenheim" von Kanadiern auf parkähnlichen Grundstücken, mit oder auch ohne See-Anschluß, auf jeden Fall: Tolle Objekte !
Eine Fahrt von Sidney nach Victoria nimmt nicht mehr Zeit in Anspruch als von Wedemark nach Hannover, eine gute halbe Stunde. Und natürlich ist Victoria, "the Capital of BC" und eine der schönsten Städte, eine Stadt, die man nicht in einem Tag erobern kann, dazu bedarf es mindestens einer Woche. Nun ja, ich war -glaube ich- 6 oder 8x dort für einen Tag. Man braucht die Zeit, um die vielen Möglichkeiten Victorias zu erkunden, bei mir dann immer noch zusätzlich der Blick des Fotografen nach besonderen Perspektiven, die ich auch fand, siehe Reisetagebuch Seiten 45-50 und 57-59   Aber es ist schon etwas besonderes, vom Dach des Empress (wirklich ganz oben die paar m², auf denen sonst allenfalls Dachdecker arbeiten, etwa 60 cm hoch mit einem Kunstgitter eingezäunt) den ganzen Hafenbereich, das Herzstück Victorias, oder von einem anderen Hochhaus (oberstes Stockwerk war gerade frei) den Blick nach unten auf  Fishermans Wharf  richten zu können. Gigantisch!
Natürlich kann man von "Vic" auch wiederum eine Fähre nach den USA besteigen, die dann nach Port Angeles geht
Hier eine interaktive Google-maps-Karte von Victoria zum verschieben und vergrößern / verkleinern
Wenn man Victoria ganz außen herum abfahren will, braucht man Zeit, die hatte ich auch und so sind natürlich verinnerlichte "Ah!" oder "Oh!" -Ausrufe ganz selbstverständlich. Man kann diese Tour aber auch mit einem "Big-Bus" ähnlich in Vancouver machen und sieht ebenso viel. Genau dies hatte ich nämlich gemacht: Zuerst Big-Bus, um meine Vormerkungen zu machen und am nächsten und übernächsten und...Tag dann mit eigenem Wagen die mir wichtig erscheinenden Ecken noch einmal gesondert: Von Sidney über die 17 (Patricia Bay Hwy), Abfahrt bei Quadra, dann McKenzie Ave bis Cadboro Bay, auf den Beach Dr und immer außen rum, bis Dallas Road und Beacon Hill Park mein Ziel und gleichzeitig Tagesetappe waren. Beacon Hill Park - ein Familienpark und.....wieder mal eine Hochzeitsgesellschaft. Aber man kann wirklich so gut wie alles in diesem großen Park machen: Familien machen BBQ, Väter trainieren ihre Söhne in American Football, andere versuchen sich in Federball oder man liegt nur faul herum. Siehe Bilderbuch Victoria.
Etwas besonderes -es ist auch im Reisetagebuch gewürdigt- sind zwei Bronce-Statuen, die die (unterschiedliche) Geschichte von zwei jungen, krebskranken Kanadiern erzählen, die (beide) mit Prothese das Land vonOst nach West durchlaufen haben, um für krebskranke Kinder Gelder zu sammeln. Während es der eine, Stephen Fonio geschafft hatte, von St.Johns auf Neufundland die 8000km bis Victoria zu laufen, hat Terry Fox "nur" 5373 km abspulen können, dann hatte der Krebs seine Lungen erreicht und 1 Jahr später ist er dann gestorben. Diesen beiden "Heros" wurde genau auf dem Startpunkt des TransCanadaHighways -Mile 0 an der Ecke Dallas-Douglas St- ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Jeden Tag besichtigen Unmengen von Victoria-Besuchern diese Statuen. Zu Recht!
Auf dem Rückweg mache ich noch einen Besuch im legendären Craigdarroch Castle, erbaut vom ebenso legendären Kohlebaron Robert Dunsmuir -aber siehe Seite 59 im Reisetagebuch!
Zuhause solls ja geräucherten Lachs geben, bei dem ich heute morgen helfen durfte, die Marinade anzusetzen. Wollen mal sehen, wie das Ergebnis ist. (Kommentar: War ein Schuss in den Ofen gewesen, denn die Lachsstücke waren zu dick und daher nicht durchgeräuchert).
Nun, noch waren nicht alle Tage mit dem Startort Sidney verplant und bei den Überlegungen, was noch interessant sein könnte für eine Tagesetappe, war der Vorschlag, nach Sooke und Port Renfrew und dann übers Gebirge nach Lake Cowichan und dann zurück. Und das war wirklich ein guter Vorschlag. Ich musste mal wieder die 17 runter bis zum Hwy 1 (TCH), der nach Nanaimo führt, im Stadtteil Esquimalt geht es dann auf die 14 nach Sooke, ein recht beschauliches und schönes Städtchen. Aber für mich hieß es weiter -natürlich werden überall bei guten An- und Aussichten Fotos gemacht- in Richtung Port Renfrew (siehe wieder Reisetagebuch). Dort mußte ich mich erst etwas orientieren, fand dann aber den richtigen Gravel-Weg übers mittelhohe Gebirge in Richtung Cowichan.
Unterwegs bei den glasklaren Bächen bilden sich immer wieder kleine Pools und......dort baden dann u.U. ganze Familien, die einen Ausflug gemacht haben. Ein schönes Bild aber bot sich nach Erreichen von Lake Cowichan, wo sich die Kinder (hatten die eigentlich schon Ferien zu dieser Zeit ??) in großen LKW-Schläuchen auf dem Wasser des Lake Cowichan treiben ließen. Für mich war es nur eine Fotostopp und weiter ging es, und das war gut so, denn da kam plötzlich ein Schild rechts "Skutz Falls" und das Wort Falls ist bei mir assoziiert mit tollen Fotos, nicht ahnend, daß gerade hier ein Fotoshooting der besonderen Art auf mich wartete. Ich wunderte mich schon, plötzlich im Wald jede Menge Pickups rechts und links der Straße geparkt zu sehen, dazu junge Leute mit prall aufgeblasenen LKW-Schläuchen oder auch Schlauchbooten oder nur Luftmatrazen. Und fröhliches Gelächter und Gekreische schallte durch den Wald. Ausgestiegen und etwa 50 m gelaufen, sah ich den Grund: Unter mir -ich stand auf einer Holzbrücke- ein rauschender Gebirgsbach -der Cowichan River-, mit Gefällstrecken und wieder bei tiefem Wasser ruhigen Gleitstrecken und jede Menge junges Volk, die ihren Spaß hatten am Gleiten durch Wasserschnellen, ruhigem Treiben, wieder abgelöst durch rasante "Rafting-Strecken". Die vielen Bilder belegen es: Das ist echt kanadische Freizeit! Selbst Hunde machten mit.
So war dieser 14.Juli noch ein ausgesprochen erfolgreicher Tag geworden.

Am 27. Juli - den ganzen Juli war ich ja auf Vancouver-Island (von Süd bis Nord) und dort eben täglich mit dem Wagen irgendwie unterwegs, die Bildergalerie zeigt also ein großes Zeitfenster- durfte ich dann aber noch eine Show der besonderen, wenn nicht gar außergewöhnlichen Art, erleben. Ich war -wieder einmal- in Victoria und pilgerte so über die Government St, als eine ganze Reihe von ungewöhnlichen Oldtimern an mir vorbei defilierten und vor dem Days Inn parkten. Ich wies mich gegenüber einem der Halter als Reisejournalist aus und fragte, was denn hier nun los sei. "Am morgigen Sonntag machen wir einen Oldtimer-Corso zu verschiedenen Golf-Clubs und hier durch Victoria".
Wieviel Fahrzeuge nehmen teil? "Well, so etwa 125, alles alte Austins! Ein paar andere Marken sind allerdings auch dabei!" Und schon gings mit der Fotografiererei los, denn die bis dahin etwa 60 Fahrzeuge kurvten schon einmal für lockere 2 Stunden durch die Innenstadt von Victoria. Das war selbst für die Canadians Showtime vom besten und zwangsläufig ging nichts mehr, was den restlichen Verkehr anging. Das waren aber auch Stücke !! Siehe Bericht "Victoria".   Um die vielen Oldtimer-Bilder getrennt zu halten, hier eine eigenständige Bildergalerie.
Natürlich war klar, daß ich am 28.7. wieder in Victoria war und dem dann kompletten Fahrzeug-Corso zusah, ein Mega-Ereignis. Als ich nachmittags dann wieder in Richtung Sidney aufbrechen wollte, sehe ich -auf der in der Douglas St fahrend- so beiläufig nach links und -laust mich denn der Affe ?- da standen die meisten Oldies auf dem Hof vom Victoria Motor-Hotel. Ein U-Turn und auch ich landete dort. Mit gezückter Kamera dann aktiv, werde ich von einem der Teilnehmer angesprochen und wir kommen über Motoren, Oldies, Renovieren und die Preise ins Gespräch. Am Ende die Frage: "Nächsten Monat sind wir in Vegas. Da kommst du doch auch hin, oder? Wir werden etwa 750 Fahrzeuge dort auflaufen lassen. Die meisten von uns kommen ja sowieso aus den Staaten!" Natürlich komme ich nach Vegas, keine Frage !!

Die restlichen Tage gingen viel zu schnell vorbei. Ich hätte ja noch Zeit gehabt, aber das Flugticket wartete nicht. Und hier zuhause? Die Gartenarbeit hatte Jutta in diesen 88 Tagen allein gemacht, da musste ich wohl langsam etwas nacharbeiten. Daher noch 2 intensive Tage  (incl. Rund-Flug) mit der Familie.
Ja, und dann sind wir auch fast schon am Ende, am Ende des Kapitels Vancouver Island, am Ende des Kapitels Familienbesuch und morgen dann auch am Ende meiner gesamten Reise.
Aber vorher noch kurz das Ende der Story: Ich hatte bekanntlich bei der Übernahme des PKW bei Alamo ein Kreditkarten-Ticket über 64 $ unterschrieben, obwohl in Deutschland alles bezahlt war. Wofür? Man soll den Wagen mit leerem Tank zurückgeben und für das Wiederbefüllen sind dann diese 64$. Das ist natürlich das Geschäft: Wer fährt schon mit den letzten Tropfen zur Abgabestation?? Also wird nie der Betrag des Tankens den bereits kassierten Betrag erreichen. Ich habe es versucht, fuhr bereits eine Weile mit leuchtender Reserve-Anzeige und habe dann wenige Kilometer vor dem Vancouver-Airport Manschetten bekommen, 2 ltr nachgetankt und kam natürlich damit locker zum Flughafen. Und dort erwartete mich -sozusagen als Abschiedsbonbon- noch eine Überraschung: In der Alamo/National-Abgabestation standen schon etliche Fahrzeuge und ich hatte mich auf Wartezeit eingestellt (hatte auch dazu die Zeit einkalkuliert!) und war ganz überrascht, als etwa nach 1 min bereits ein Mitarbeiter auftauchte, mit seinem Handscanner mein Fahrzeug einscannte, mich fragte, ob ich denn Gerth sei und ob ich etwas zu berichten habe. Ja, ich hatte mich ja komplett präpariert und alle Papiere von dem Anfahr-Unfall in Port Hardy in der Hand. Habe ihm das erklärt, er markiert mit Kreide die beschädigten Stellen und druckt einen Bericht aus, verweist mich ins Büro. Auch dort komme ich sofort dran, der Mann tippt wieder alle Daten ein und sagt: "Okay, Mann, alles in Ordnung. Guten Heimflug nach Germany!"
Ich denke, mich laust der Affe. Nichts von dem Unfall wurde irgendwie angesprochen. Gut, ich hatte über Holiday-Autos wirklich eine nach meiner Ansicht sehr günstige Rate bekommen, alle Versicherungen freigestellt, trotzdem überlegte ich:
Wie hätte das bei uns in Deutschland ausgesehen ?????
Jedenfalls war ich mehr als überrascht, natürlich im positiven Sinne, und da war dann nur noch der Gang zum Einchecken ----und----ab nach Deutschland. Allerdings -ich hatte bei Condor die Club-Class gebucht- noch beim Überfliegen von Canada Richtung Alaska-Grönland die braunen großen Flecken in den Wäldern Canadas gesehen und von oben fotografiert - das, was der Pine-Beetle hinterlässt, konnte man sogar vom Flugzeug aus sehen.
Wie sieht es in 2,3 oder 10 Jahren aus??? Ist die Natur Canadas, die wir ja bei unseren Besuchen sehen wollen, dann noch da? Stichwort Klimawandel : Die Wälder Canadas brauchen mindestens 4 Wochen Frost um 30 Minusgrade, dann erholt sich die Natur wieder.
Nach 9 Stunden perfekten Fliegens in der Business-Class mit allen Vorteilen hat mich Deutschland wieder -hallo Frankfurt und hallo Hannover -ich komme !!