Niagara und Umgebung             hier eine Umgebungskarte von Niagara

Natürlich ist Niagara und Umgebung ein "MUSS" für alle Touristen, wenn man denn nun schon einmal vor der Türe steht und lediglich den Griff zum Eintritt betätigen muss.

Ich hatte meine Tour so eingeplant, daß ich von Montreal aus am Ontario entlang in Richtung Toronto fahren wollte, durch Toronto durch und weiter nach Niagara.
Um zu wissen, wo ich denn nun mein Haupt hinbetten könnte, wenn ich nahe Niagara war, war -wie bei vielen anderen Situationen auch- vorher ganz mächtig das Internet strapaziert worden und siehe da, ich fand auf einem ehemals landwirtschaftlichen Hof in den Vinelands ein B&B bei Familie Lore und Dieter Schafer (früher Schäfer, aber den Umlaut können die Englischsprachigen nicht oder nur sehr schwer, daher mutierte hier der Name von Schäfer zu Schafer, was die Gastgeber aber nicht minder lobenswert machte).
Ich wurde also bereits zuhause per mail darauf aufmerksam gemacht von Lore, von Montreal kommend den  Hwy 403 zu nehmen und dann bei der Umfahrung von Toronto auf den QEW zu gehen, den Queen-Elisabeth-Way, der bis Niagara geht. Aber bitte vorher in Vinelands (Victoria Ave) abfahren und dann folgte die Wegebeschreibung zur Moyer Street.
Wenn man einer gegebenen Wegebeschreibung ordnungsgemäß folgt, keine eigenen Abstecher macht (nein, nicht ich !!), dann landet man auch dort, wo man hin will. So auch ich. Herzliche Begrüßung von Lore, später kam Dieter dann dazu. Dieter war -wie bereits angedeutet- Landwirt gewesen, dann lohnte sich das Geschäft nicht mehr und heute arbeitet er als "bricklayer", als Maurer, und verdient damit ganz gut sein Geld. Vom ehemaligen Hof wird dann noch für den eigenen Verbrauch etwas zugewirtschaftet.
Nachdem ich dann auch noch auf die Kolibris, die auf der Terrasse ihre Getränke-Boxen hängen haben, aufmerksam gemacht wurde und auch einige sehen konnte, war ich zum Abendessen eingeladen und nach etwas small-talk anschließend rief der Körper zur Bettruhe, zumal ich ja morgen zu meinem Ziel "Niagara" wollte.
Es gab ein sehr gutes Frühstück und auf dem Wege zu den Fällen dorthin passierte ich in Allanburg eine der Hubbrücken, die über den Wellandkanal gehen.

Gut zu wissen:
Der Wellandkanal ist ein Großschifffahrtsweg in Kanada. Der am 6. August 1932 eröffnete Kanal verbindet den Eriesee bei Port Colborne mit dem Ontariosee bei Port Weller und durchquert dabei die Niagara-Schichtstufe. Er bildet einen Teil des Sankt-Lorenz-Seewegs und dient zur Umfahrung der Niagarafälle. Der Kanal ist 43,4 km lang, 80 m breit, mindestens 8,2 m tief und überwindet mit acht Schleusen mit einer Breite von 24,4 m einen Höhenunterschied von fast 100 m. Der Kanal ist für Schiffe mit einer maximalen Länge von 225,5 m und einer Höhe von max. 35,5 m ausgelegt.
Die Durchfahrt dauert durchschnittlich 11 Stunden.

Dieser Teil des St.-Lorenz-Seaways ist schon beachtlich, denn dadurch ist es möglich von Montreal über den Canal de Lachine, den Ontario-See, den Welland-Canal bis zum Eriesee und damit in die Metropolen am Eriesee, Buffalo, Cleveland, Toledo, Detroit per Schiff Waren zu transportieren. Und das Kanal-System geht ja dann noch weiter in den USA  Soweit, so gut. Nun, in der Nähe der Fälle tut man gut daran, den "People-Mover" zu nutzen, einen Shuttle, für den man ein Tagesticket kauft und dann damit hinfährt, wo einen die Neugier hintreibt. Ich selbst habe das als wohltuend empfunden, denn ansonsten zieghen sich die Wege schon etwas. Da ich immer die Kamera schussbereit hatte, stolperte ich fast über Dave, einen hochsympathischen Kanadier, der mitten im Park neben seiner schweren Honda stand, sein Notebook aufgeklappt hatte und im Internet surfte. Ungläubig fragte ich ihn: "Bist du wirklich online hier"? "Sure, have a look!"
Ja, es war so, durch die Unmengen Hotels, Amüsierhöhlen, Restaurants etc. war ganz Niagara über WIFI zu erreichen, wo immer man sich gerade befand.
Nach Abarbeiten der Standardaufgaben in Niagara, wie kanad. Fälle von allen Seiten, amerik. Fälle nur von der kanad. Seite aus (sonst Brückenmaut in US-$), runter bis zum Whirlpool, dort sowohl die Speedboot-Piloten mit ihren auf "Dusche" eingestellten Fahrgästen und auch die Drahtseilbahn-Fahrgäste beobachtet. Das alles bei traumhaftem Wetter. Dann natürlich zum Skylon-Tower und bis in die Spitze zwecks Rundumsicht gefahren. Sagenhafte Ausblicke!! Die Fahrt mit der "Maid of the Mist" habe ich mir erspart, da sollten sich andere durchnässen lassen. Und das taten auch Hunderte von "wassergeilen" Fälle-Besuchern.
Am späten Nachmittag auf dem gleichen Schleichweg von Niagara wieder nach Fenwick/Vinelands wie auf der Hinfahrt. Problemlos leicht zu finden und nur etwa 1/2 Stunde Fahrzeit.  Diesmal Dinner in einem Restaurant, allerdings muss ich gestehen: Das war zum Vergessen.
Am nächsten Morgen dann nach St.Catherines/Niagara on the Lake und vor allem etwas genauer den Welland-Kanal angesehen, denn.....ich wollte ja ursprünglich mit einem Containerschiff direkt zu den "Großen Seen", was ja leider nicht klappte, da es fast keine Containerschiffe mehr gibt, die weiter als bis Montreal fahren. Und die von dort fahrenden Schiffe nehmen keine Passagiere mehr mit, da gibt es verschiedene Restriktionen, wie Haftungsprobleme, USA-Visa und..es gibt so gut wie keine Kabinen für Passagiere. Schade drum.   Der Welland-Kanal (siehe Kasten oben) ist schon beachtlich, auch unter dem Aspekt, daß er die Höhe der Niagara-Fälle ja ausgleichen muss. Und das über 8 Schleusen hinweg.
Die notwendigen Brückenkonstruktionen sind sehr unterschiedlich: Bei Schleuse 1 nahe St. Catherines wird die Brücke durch einen einseitigen Antrieb mit gewaltigem Beton-Gegengewicht hochgeklappt, die bei Allanburg ist eine Hubbrücke, die von Antrieben in auf beiden Ufern stehenden Stahlpylonen bei einer Durchfahrt nach oben gezogen wird.
Für Technik-Interessierte gibt es halt immer was zu sehen.
So verging auch der zweite Tag und als ich zu Lore und Dieter zurück kam, hatte Lore in ihrer mütterlichen Art meine gebrauchte Wäsche gewaschen und getrocknet, gebrauchsbereit zu neuerlichem Einsatz. Danke, Lore!

Am nächsten Tag ging es dann über die Moyer St und die Victoria Ave wieder in Richtung QEW und rauf auf den QEW Richtung Toronto.
Hier endet das Kapitel "Niagara"