Wenn jemand eine Reise macht…..wirds lustig!
Die Weihnachtstour 2010 zur und mit der A-Rosa-Bella                    Zur Diashow geht es hier
DB-Eisfahrt Nicht lustig wird jedoch eine Anreise nach Passau, dem Einstiegsort für die Donau-Reisen der A-Rosa-Linie, wenn der Winter –wie gerade jetzt-- alle Verkehrswege fest in seiner Hand hat. Und das begann schon am Startort Bissendorf. Bei der “Anlieferung“ der besten aller Ehefrauen mit den Koffern am Bahnhof (mit Trolleys kann man schlecht durch hohen Schnee rollern)  war der Zugverkehr noch „ im Standard-Zeitplan“, als ich den Wagen zurück gebracht hatte und wir pünktlich den 8:26 nach Hannover nehmen wollten, fing das Desaster an. Zuerst kam der 8:01 aus Hannover, der „unser“ Zug nach Hannover sein sollte, bereits mit 20 min Verspätung an, musste noch nach Elze und –mehr oder weniger dann ohne Standzeit- wieder zurück nach Bissendorf, wo er allerdings erst mit 30 min Verspätung ankam –sehr zum Missfallen aller Wartenden mit vielen Anrufen an der Info-Säule-. Na gut, endlich einsteigen und los geht es. Dachten wir!  Aber stattdessen kam der Hinweis „ Ein LKW steht auf den Schienen bis Langenhagen, es wird etwa 30-45 min dauern“. So standen wir im warmen Zug im Bahnhof Bissendorf und warteten, warteten…..
Endlich gegen 10 Uhr kam Bewegung in den Zug und tatsächlich fuhren wir nach Hannover. Zwar waren alle Infoangaben im Zug falsch, aber wen störte es schon?
Statt den einzigen durchgehenden ICE nach Passau um 9:26  zu bekommen, mussten wir den 11:26 über Nürnberg nehmen, aber nicht um 11:26 sondern so gegen 12:10   Der stand dann prompt hinter Kassel in einem Tunnel weitere 15 min, weil ein Drehgestell einen Fehler gemeldet hatte. Nürnberg-Anschluss ade!! Weitere zwei Stunden in Nürnberg addierten sich am Ende in Passau zu fast 5 Stunden Verspätung!!  Dafür empfing uns ein Zimmer im Passauer Wolf, welches allen Ungemach des Tages vergessen ließ!!  Komfort-Doppelzimmer – eine ganze Familie hätte hier eine Unterkunft gefunden. Ambiente, Größe, Bad mit unterschiedlichen Handtuchfarben, die eine Verwechslung ausschließen sollen – einfach perfekt. Ein echtes 4-Sterne-Haus mit einer perfekten Mannschaft!
Leider war der Passauer Weihnachtsmarkt für die „Verspätungs-Reisenden“  nach 30 min bereits beendet – 20 Uhr ist Schließzeit für die Buden.
Zu Passau:
Passau mit seinen etwa 55.000 EW ist eine bezaubernde Stadt, eigentlich eine Stadt, wo sich auch ein Nordlicht wohlfühlen würde, wenn es nicht am alleräußersten Ende der Republik wäre und die Kinder und Enkel noch viel weiter weg wären als bisher schon.
Passau ist ein gemütliches Städtchen, voller kleiner Gassen mit vielen kleinen Inhaber-geführten Geschäften. Solch schicken Sachen führen noch nicht einmal Hannoversche Häuser, zumal Hannover immer mehr Ketten-Läden hat. Das sieht in Passau anders aus! Und natürlich nicht zu vergessen der Passauer Dom mit der größten Orgel Europas (fünftgrößte in der Welt) mit insges. 17.974 Pfeifen (hier Link zu Wikipedia)

Der nächste Tag:
Boarding ist ab 15 Uhr auf der A-Rosa Bella und so machen wir unseren morgentlichen Spaziergang durch das erwachende Passau zuerst einmal zum Liegeplatz der Bella und sehen, dass das Schwesterschiff, die Donna mit der Bella  im Doppelpack liegt, und auch auf den Schiffen der Viking River Cruises verfährt man so. Maximal liegen 3 Schiffe nebeneinander.  Wir sehen dabei aber auch, welche Unmengen von Abfall, den die Gäste hinterlassen, erst beseitigt werden muss, bevor alles wieder für die nächste –unsere-- Reise vorbereitet werden kann. Logistische Meisterleistung.
Nach 15 Uhr strömen die Passagiere zum Schiff, wir strömen mit. Mit der Abgabe unseres Vouchers für diese Reise an der Bord-Rezeption erhalten wir unseren Kabinenschlüssel in Form der heute üblichen Scheckkarte, die gleichzeitig Zahlungsmittel für all das ist, was nicht im Reisegrundpreis enthalten ist. Abgerechnet wird dann beim Auschecken.
   Bevor wir uns auf Tour begeben, noch einige Fakten zum Schiff:
124,5 m lang, 14,4 m breit, 1,50 m Tiefgang, 4 Decks, 100 Außenkabinen in 4 Preisklassen S,A-C, Fitness- und Wellness-Angebote, Finnische Saune mit großem Panoramafenster (da gleitet die Landschaft an mir vorbei, während ich schwitze) oder Biosauna und auf dem Oberdeck ein Hot-tube whirlpool.
Der Antrieb besteht aus 2 x 800 kW-Maschinen. Das Schiff fährt unter deutscher Flagge und hat üblicherweise bei voller Passagierzahl 50 Besatzungsmitglieder, die für das Wohl der Passagiere sorgen.
Und nun heißt es "Leinen los" um 16:30 und langsam gleiten wir in die Nacht hinaus.  Nachdem wir uns in der Kabine eingerichtet haben, gehen wir zur Gästebegrüßung in die Lounge und dann zum Abendessen ins Restaurant. Feste Plätze gibt es nicht, man muss sich immer einen neuen passenden Platz suchen und damit soll natürlich auch der Zweck des gegenseitigen Kennenlernens forciert werden. Das aber hält sich in Grenzen.
Wir sind etwa mit 170 Gästen an Bord, die Bella kann aber 240 Passgiere befördern. Bei einer Weihnachts-Kreuzfahrt (es sind ja nur 4 Nächte)  sind logischerweise die meisten im Seniorenalter, aber es sind auch einige junge Familien an Bord. Das Abendbuffet ist wirklich sehr ordentlich (obwohl ein anderes Thema als gerade ein rustikaler „Bayerischer Abend“ für mich erfreulicher gewesen wäre), auch die folgenden Mahlzeiten –Frühstück, Mittag-, Abendessen-  sind sehr gut und immer abwechslungsreich, es gab keine Doubletten! 
Die Ausflüge in Dürnstein, dann in Wien und zuletzt  in Melk leiden unter dem Winterwetter. Dürnstein als Startort in die Wachau –ok!-, mehr aber ist nicht großartig aus dem Örtchen heraus zu holen. Aber das ist meine eigene Meinung und muss nicht global stimmen.
Wien mit 1,5 Mio EW ist natürlich eine Stadt, in der Geschichte GROSS geschrieben wird und allgegenwärtig ist. Und es ist eine schöne und quirlige Stadt. Aber wir hatten im April 2009 einen Wochenausflug nach Wien gemacht und all die Punkte, die nun von der Gästeführerin angesteuert werden, kannten wir bereits aus 2009, egal, ob Hundertwasser-Haus, Hofburg, Oper oder Steffel (Stefansdom). Und das Wetter im April 2009 war angenehmer als die Kälte 2010!! Eine ausgiebige Wien-Beschreibung findet man in jedem Reiseführer, das erspare ich mir hier.
Um 13 Uhr sind wir zum Mittagessen wieder zurück auf dem Schiff, geben unsere Landgangskarte ab, die man zu jedem Landgang bekommt, um sicher zu stellen, dass wirklich als „Ausflügler“ wieder an Bord sind. Der Nachmittag gehört dem privaten Amusement und jeder kann machen, was ihm sinnvoll erscheint. Bei mir ist das an allen 3 Nachmittagen der ausgiebige Besuch der Sauna, andere nutzen die Fitnessgeräte oder lassen sich im Spa mit einer Massage verwöhnen.
Nun hat man sich für den Heiligen Abend wie zuhause auf einen besonderen Abend vorbereitet, die entsprechende Garderobe eingepackt und die Ehefrau braucht ausreichend Zeit, sich „aufzuhübschen“. Wie enttäuschend daher der Rundblick auf die anderen Gäste: Lederweste mit Cowboyhemd ist ebenso vertreten wie etwa 50% Jeans, es waren nur wenige ältere Ehepaare auf dem gleichen Outfit-Trip wie wir, sprich, Top-Kleidung und Zubehör (Schmuck etc). Und am 1.Weihnachtstag –eigentlich doch auch ein besonderer Tag im Jahr-- wiederholte sich das Spiel. Hatten wir etwas falsch verstanden bei der Buchung? Von Kegeltour hatte doch keiner etwas gesagt!
Und wir zwei „Klamotten-Fans“ hatten uns so gut präpariert, Wechsel jeden Tag inclusive. Aber wir lassen uns nicht durch andere provozieren, wir halten fest an unserem guten Geschmack!  War aber nicht einfach!
Am zweiten Weihnachtstag legten wir morgens in Melk an, denn Wien hatten wir zur Abendzeit Richtung Passau wieder verlassen. Melk als Ort ist zwar größer als Dürnstein, ist aber nur deshalb erwähnenswert, weil eben das Benediktinerkloster Stift Melk alles überragt und als Weltkulturerbe zweifelsfrei etwas Besonderes ist. Ich bin und war beeindruckt! Dieser Stop und Gang vom Schiff zum hoch gelegenen Stift hat sich wirklich gelohnt. Ganz sicher wäre es noch beeindruckender gewesen, hätten wir den Besuch zu einer anderen Jahreszeit gemacht! So war die Landschaft außen karg und kahl, dazu verdammt kalt!!  Die Donau-Hochwassermarken am Fährhaus Jensch bis 1501 zurück lassen einen zusätzlich erschaudern.
Die A-Rosa-Schiffe liegen wieder im Doppelpack (wird wohl die Gebühren minimieren), mal liegt die „Donna“ innen, mal die „Bella“.
Die Unterhaltungsabende sind ganz ordentlich und vor allem am Weihnachtstag unterhält eine hervorragende Sopranistin die Gästeschar und bekommt viel Beifall.
Ein besonderes Lob gebührt den Mitarbeitern in allen Abteilungen des Schiffes, sichtbar vor allem die Bedienung in Restaurant und Bar. Den Servicekräften (jungen Frauen –vielfach aus den östlichen Nachbarländern), die im Kabinenbereich tätig sind, gilt aber mein spezielles Lob. Mit sehr viel Engagement, vor allem aber auch mit Witz und unkonventionellen Ideen bei der Kabinenbetreuung haben gerade sie die Gäste verwöhnt.
Am zweiten Weihnachtstag durchfahren wir auf dem Weg in Richtung Passau die Stadt Linz und da es schon etwas später am Abend war, konnte man ein gut illuminiertes Linz z.T. in wechselndem Farbspiel von der Lounge/Bar aus bewundern. Es durfte auch wieder das Tanzbein geschwungen werden, was allerdings zu den weniger stark frequentierten Übungen an Bord gehörte. Ich denke, die Schluckmuskeln wurden öfter und stärker strapaziert denn die Tanzbein-Muskeln.
Ja, und dann war diese Reise durch die winterliche Wachau, die natürlich im Sommer einen ganz anderen Eindruck hinterlässt, mit dem Anlegen in Passau zu Ende. Jede Reise, egal, ob schön, erfolgreich, mittelmäßig oder mit negativem Touch, bringt dem Reisenden etwas, was hängen bleibt. Wir wissen nun, eine Winterreise zu Wasser ist nicht „unser Ding“ und dazu hat das Verkehrschaos im schneereichen und frostigen Dezember 2010 erheblich beigetragen. Aber an Bord der A-Rosa Bella hatten wir nichts auszusetzen, es fehlte an nichts.