Von Nordeuropa bis Kleinasien
Meine Tour mit der Grande Mediterraneo von Grimaldi-Lines
Autotransporter und Container-Spezialschiff

Nachdem ich also im Jahre 2009 nicht zu einer Seereise gekommen bin, habe ich aber doch die Vorbereitungen für 2010 treffen können. Nach "mit dem Frachter nach Kanada" ging es mir diesmal darum, möglichst viel unterwegs zu sehen, also Häfen, nicht nur Wasser. Und da fiel mir ein Reisebericht von Amerikanern in die Hand (freightercruises.com), die z.T. schon mehrfach mit den Grimaldi-Lines geschippert waren und ganz begeistert erzählten. Warum also nicht auch ich ????

Die Vorbereitungen sind keine im stillen Kämmerlein gehüteten Internas, man sucht mit Google nach "Grimaldi" und wird darunter auch etwas von Grimaldi-Lines finden. Die Firma sitzt in Neapel (Napoli) und befährt in der Hauptsache die Strecken
EURO Med          EURO Aegean         EURO Adriatic         West Africa       South America                  mehr hier

Zur Grimaldi-Gruppe, deren größte Flotte die meisten Fährverbindungen im Mittelmeer sind, die aber auch an Finnlines und Minoan-Lines beteiligt ist, können Sie   hier   einiges nachlesen, darunter die Beschreibung der angelaufenen Hafenstädte.
Für Reisen nach West Africa und auch nach South America sind Impfbestimmungen zu beachten !
Irgendwo muss man sich entscheiden und ich entschied mich für den Trip  EURO Med, der durchs Mittelmeer geht. Vor allem war für mich wichtig, den Abfahrtshafen unkomplziert erreichen zu können, in meinem Falle Antwerpen mit der Eisenbahn.
Hier setze ich Euch erst einmal ein kleines Bildchen hin, bei Klick (Ihr kennt das ja) wird was großes daraus.

Reiseroute

GrandeMediterraneo

Grundsätzlich ist zu den Reisen mit Grimaldi das gleiche zu sagen, wie bei allen anderen Frachtschiff-Reiseanbietern: Man kann eine Rundreise (Loop) buchen, man kann aber auch Teilstrecken buchen und muss dann eben in Eigenregie den zugehörigen Hin- oder Rückflug buchen, je nachdem, von wo man mitfahren oder wo man von Bord gehen will. Ich hatte mich für die Rundreise entschieden, da ist man dann 35 Tage unterwegs und sieht auch etwas anderes als nur Wasser, nämlich interessante Häfen in vielen Ländern, die angesteuert werden. In den meisten Häfen können sie während der Liegezeit von Bord, um Land und Leute kennen zu lernen. Als EU-Bürger hat man so gut wie gar keine Behinderungen (Ausnahme Ashdod und Alexandria), als Nicht-EU-Mitglied, z.B. Canada-Bürger muss man in nahezu jedem Hafen erst die Freigabe der Polizei abwarten. Und manchmal kann das dauern!! Das kann soweit gehen im Ausnahmefall, dass der "ashore"-Gang unmöglich gemacht wird. Und wer als Weltbürger sowohl Israel als auch die Nachbarländer öfter besucht, sollte keinen Landgang vorsehen, denn ein Israel-Stempel im Pass führt zum Einreiseverbot "nebenan" für wenigstens 1 Jahr.
Aber nicht vergessen (es kann nicht oft genug gesagt werden): Fracht hat Vorfahrt, Passagiere sind "talking cargo" und müssen sich der Fracht absolut unterordnen. Ablegezeit verpasst, Pech, sieht man nur noch das Heck vom Schiff !! Das Sicherheitspersonal an der Rampe trägt den Abgang ein und gibt die Rückkehrzeit vor. Diese "deadline" ist unbedingt einzuhalten!
Ansonsten steht man da, ohne Hemd und ohne Socken, weit und breit ohne Schiff kein Koffer ! Devise: Heimflug antreten! Hoffentlich die Kreditkarte und Pass dabei, sonst ist man wirklich aufgeschmissen. Ich selbst hatte bei Grimaldi in Neapel direkt gebucht, was problemlos möglich ist. Man bekommt für eine Anzahlung eine entsprechende Zahlungsaufforderung und 4 Wochen vor Abfahrt werden die offenen Posten eingezogen, danach bekommt man eine email mit dem Ticket  zugesandt, auf dem alles wichtige draufsteht und natürlich der Türöffner zum Betreten des Schiffes ist. Ich habe mir davon einige Kopien ausgedruckt. Sicher ist sicher!!

Vor dem Start noch etwas zu den Schiffen: Es sind wahre Wolkenkratzer unter den Frachtern, da sie geschlossene Decks haben, die es einem gerade erlauben, diese mit leicht eingezogenem Kopf zu durchqueren, wenn man zum Fahrstuhl will. Und gerade dort muss man zusätzlich auf der Hut sein, denn die Schott-Verriegelungen sind niedrig und daher steht überall "Beware of your head", das nicht ohne Grund. Der Fahrstuhl zeigt 10  Decks an, wenn ich das Schiff verlassen will, muss ich den untersten Knopf betätigen (was eigentlich klar ist), es ist aber Deck 3 - wo ich wieder den Kopf einziehe an der Türe, um dann erhobenen Hauptes den letzten Wegeteil zur Rampe durch riesengroße Laderäume gehen zu können. Hier werden alle Sorten irgendwie transportierbarer Ware untergebracht, wie Baumaschinen von klein bis groß, Busse, Autokrane, Hubsteiger und natürlich Container. Und hier beginnen die Auffahrrampen für die Fahrzeugdecks. Auf dem Boden sind in gelb die Wege, die man nur gehen darf, markiert. Ebenfalls auf dem Boden findet man tausende von Ösen, mit denen die Fahrzeuge, die eng an eng (10 cm) stehen, festgezurrt werden, um bei rauher See nicht alles zu einem Schrotthaufen werden zu lassen. In den Decks ist dann -natürlich taktisch ausgeklügelt- je eine weitere Auf- und Abfahrtsrampe eingebaut, die motorisch hochgezogen werden, um den Platz darunter zu nutzen. Damit ist auch für den Laien klar, wie ausgeklügelt die Beladung sein muss (beim Containerschiff nicht anders). Der Lademeister ist dann die wichtigste Person und kann das natürlich nur mit Computerhilfe lösen. Auf dem obersten Deck stehen die Fahrzeuge, die zuletzt entladen werden, hier wird also zuerst beladen. Und wenn Fahrzeuge aus anderen Häfen zu der Gruppe der letzten gehören?? Dann muss wohl doch etwas rangiert werden, was natürlich die Liegezeit in den Häfen beeinträchtigt. Die letzten werden die ersten sein, dieser alte Satz hat hier volle Gültigkeit, denn gegenüber der Computerregel "fifo=First in first out" gilt hier "first in last out" oder vicversa "last in first out". Unsere "Grande Mediterraneo" (GM) hat 36 Besatzungsmitglieder, aktuell 13 Filipinos (alle sehr nett) und der Rest ist italienischer Abstammung. Grimaldi hat laut Lloyds Index (aus 2008) 25 Auto-Carrier in Betrieb, einige sind etwas größer als die Grande Mediterraneo (etwa 10%), andere sind bis zu 40% kleiner, das kommt auf das Fahrrevier an. Die Grande Mediterraneo ist 185m lang und 32m breit, 1996 in Auftrag gegeben und 1998 abgeliefert worden von Fincantieri in Genua, der größten ital. Werft. Sie kann bei Bedarf mehr als 4600 PKW transportieren und hat in den unteren Decks hohe Räume für Schwergut (oder max. 400 TEU). Einige Decks können zur Anpassung an das Ladegut motorisch in der Höhe verstellt werden, das zeugt von Flexibilität.
Techn. Daten zum Schiff: Länge ü.a.  185m -  Breite ü.a.  32m - Wasserlinie (Tiefgang) 9,4 m - Motor  15.540 kW  von Sulzer/Fincantieri - 7 Zylinder je 620mmØ und einem Hub von 1800mm  bei  113 U/min -  Antriebswelle  630mmØ - Schraube  6400mmØ  -  Geschwindigkeit max. 20 kn -  Verdrängung  51.714 dwt

Nun geht es aber weiter mit den Vorbereitungen, denn man muss andere Prioritäten als bei einer Kreuzfahrt setzen.
Mein Starthafen ist Antwerpen, von Grimaldi stark frequentiert. Ich habe mich zur Anreise von Hannover nach Antwerpen für die Bahn entschieden. Das ist preiswerter als mit dem PKW; und den irgendwo 35 Tage stehen lassen?? Mein VW-Bus wäre garantiert gestohlen.
Sie kennen ja bereits das Problem, dass ein Frachtschiff nicht wie eine Strassenbahn eine feststehende Abfahrtszeit an der Haltestelle x (hier also der Eurokai in Antwerpen) hat, da kann immer mal was dazwischen kommen und daher ist es sinnvoll, einen Tag vor dem geplanten Ablegen an Ort und Stelle zu sein, sich beim Agenten zu melden und dann auf den Anruf zu warten "das Schiff ist da, Sie können kommen". Grimaldi hat aber einen sehr engen Fahrplan, trotzdem bin ich einen Tag vor Abfahrt in Antwerpen. Die Stadt ist sehenswert, da könnte man locker auch zwei Tage vor Abfahrt bereits vor Ort sein.
Ja, liebe Leser und Freunde von "reisegeschichten.net", das, was so schön in diesem Absatz darüber geschrieben steht und ganz besonders auf den engen Fahrplan von Grimaldi-Lines bezogen war, ging total in die Hose, aber da passte noch viel mehr rein, daher jetzt hier die ganze Story:
21.4.: Wie ich schon schrieb, wollte ich mit der Bahn nach Antwerpen fahren, alles war 1.Klasse gebucht. Und die Fahrt nach Köln ging auch wirklich nach Plan vonstatten. Aber wie soll man auch im Januar beim Buchen mit einer Aschewolke eines isländischen Vulkans im April rechnen? Und dass die den gesamten Verkehr, jedoch insbesonders den Luftverkehr, zum Erliegen bringen würde? Und in Folge davon auch den Land-gebundenen Verkehr. Frohgemut wollte ich in Köln in den Zug nach Brüssel und weiter nach Antwerpen einsteigen, aber die Sicherheitskräfte lassen mich nicht und mit mir weitere 200 Bahnreisende, oder sagen wir besser "Gestrandete". Wir werden in 4 große Reisebusse verfrachtet und über Lüttich, wo einige aussteigen wollen, nach Brüssel kutschiert. In Brüssel sind wir natürlich gerade zur "Rush-hour" und brauchen bis zum Bahnhof so etwa 40 min. Aussteigen und gleichzeitig einen Blick auf den Abfahrtsplan werfen zeigt mir, dass in 5 min der Zug nach Antwerpen abgeht. Ich wuchte erst meine 26 kg-Tasche auf die Rolltreppe und dann in den Zug, der auch fast zeitgleich abfährt und für die Strecke nach Antwerpen 45 min benötigt. Hier war dann tatsächlich wieder 1.Klasse angesagt, denn wie soll man den Reisebus katalogisieren??
Die rund 200 Bus-Mitfahrer sind fast alle Engländer, die über die verschiedensten Verkehrswege, egal ob Euro-Tunnel oder Fähre, wieder ins Heimatland wollen nach dem Zwangsurlaub durch die Asche-Wolke. Es gab kein anderes Thema über 2 Wochen und ganze Regierungen wurden nahezu zwangs-untätig, weil niemand von oder nach irgendwohin fliegen konnte.
Nun gut, ich war in Antwerpen, schnappte mir ein Taxi und fuhr zu dem eigentlich nicht weit entfernten B&B, welches ich für meine geplanten 2 Nächte (es wurden ja 5 Nächte daraus) festgemacht hatte. Es stellte sich heraus, dass es das gastfreundliche Haus des ev.-luth.Pastors der "Lutherse Kerk" Antwerpen war, Pastor Gijsbertus van Hattem und seine nette Frau Veronica nebst den ebenfalls sehr netten Kindern. Die Evangelen sind hier in der totalen Unterzahl mit etwa 1% der ansonsten kath. Bevölkerung. Es ist ein schmales Haus mit mehreren Stockwerken, im Erdgeschoss die "eingebaute" Kirche, darüber dann Gemeinderaum und Gastzimmer, denn irgendwie sind immer irgendwelche Gäste vorhanden, so z.B. von Freitag auf Sonntag 9 reiselustige Damen aus dem eigenen Land, die sich Antwerpen ansehen wollen. Von Mittwoch auf Donnerstag war ein australisches Pärchen und ein junger Engländer zusätzlich zu mir hier. Insgesamt wird alles sehr flexi gehändelt und da bringen dann 10 oder auch mal 12 Personen die Gastgeber nicht um. Am Ende zahle ich für 5 Nächte "mit Familienanschluss" 180,-€
Antwerpen  (Fotogalerie hier) ist eine recht alte Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber allein das Druckerei-Museum <Plantin-Moretus> ist schon etwas Besonderes, sowohl was den Bau als auch das Innenleben angeht. Die ganzen Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten lasse ich weg, da kann man das Internet als Quelle nutzen und sich schlau machen.
Die Stadt liegt an der Schelde, heute könnte man eher sagen, beidseits der Schelde, denn Neubauviertel sind auf der linken Seite stromabwärts entstanden, die man durch Tunnel erreichen kann, auch durch getrennte Fußgänger-/Fahrrad-Tunnel. Antwerpen ist eine lebendige Stadt, es wimmelt von Cafes, Restaurants und sog. Brotjes-Bistros in der Altstadt und engeren Umgebung.
Auf den Freiflächen der vielen großen Plätze beherrscht die Außengastronomie das Stadtbild. Hunderte von Tischen -und irgendwie sind alle besetzt- stehen dort herum, man kann den Betreiber nur durch die unterschiedliche Bestuhlung erkennen. Und die Leute haben offensichtlich lange genug auf den endgültigen Abzug des Winters gewartet, denn bei 20° oder geringfügig mehr ist Gedränge angesagt, obwohl es sowohl morgens wie auch abends empfindlich kühl ist. Man braucht eine Jacke.
Und immer wieder stößt man zwischen großen Läden auf zimmergroße Lädchen mit....Leonidas....., wer kennt sie nicht, die herrlichen, belgischen Pralinen, die so unvergleichlich schmecken, besonders die Butter-Leonidas, die aber auch leider absolute Kalorienbomber sind. Aber is(s)t man schon mal hier..................
Die Gastronomiepreise sind bei den guten Restaurants nach meiner Meinung etwas über unserem Durchschnitt, in den vielen "Eet"-Kneipen und "Frituren" mit den vielen und zugleich guten Fritten liegen die Preise auf Standardniveau. Und die Getränke ebenfalls. Na ja, heute am Sonntag ist die letzte Chance, nochmal auszugehen. Morgen werde ich durch meinen Gastgeber gegen 9 Uhr zum Anlegeplatz meines Schiffes gebracht, denn es sind dann doch noch ein paar Formalitäten zu erledigen, um sozusagen für 35 Tage Crew-Mitglied (als Passagier) zu werden.
An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, daß meine Mitfahrer, Eve und John (Namen geändert vom Herausgeber), ein Paar aus Canada (Hamilton/Toronto), 80 + 83 Jahre alt, die seit Samstag in Southampton auf das Schiff warten, den gleichen Schlamassel durchmachen wie ich mit der Warterei. Wir werden uns -nach bereits erfolgter Kontaktaufnahme per email- dann wohl etwas näher austauschen. Später dazu mehr.

Ich bin dann mal weg...........um Hape Kerkelings Worte zu nehmen, nämlich zum Hafen, dem Antwerp EUROTERMINAL am Verrebroekdok. Hier liegen die Grimaldi-Schiffe, wenn sie denn da sind und bunkern vom größten Verladekai Europas für PKWs die Fahrzeuge, die transportiert werden sollen. Stellplatz für 350.000 PKWs auf 600.000 m² Fläche !! Absoluter Wahnsinn!! Sehen Sie sich die Bilder der nächsten Staffel an, dieser Kai ist dabei !! Bildergalerie Antwerpen-Salerno

Hier eine kleine selbstablaufende Diashow vom Schiff zum Einstimmen

KaiGM kleinLadeheckPassagiere und mehr


Noch ein wichtiges Vorwort: Es sind sehr viele Stunden auf dem Wasser ohne Landgang zu verbringen, von 20 Stunden bis zu diversen Tagen, Hafenarbeiterstreiks nicht eingerechnet. Also ausreichend Lesematerial, Kreuzworträtsel, Yoga- oder Tai-Chi-Übungsbücher, Laufschuhe, Fahrrad oder was auch immer sonst einpacken und mitbringen, dazu Fernglas, natürlich Fotoapparat nebst Stativ (Abend- oder Nachtaufnahmen) und vor allem ein Mobiltelephon. Zu allen Geräten die Lader nicht vergessen oder reichlich Batterien. Auswahl der Kleidung obliegt jedem selbst. Auf meiner Tour hätte ich mit 6 T-Shirts alles erschlagen können (incl. Bordwäsche), denn es gibt überall eine Waschmaschine an Bord (mit Steward klären, wann und Anleitung). Für techn. Geräte ist nichts zu beachten, denn es sind 220-V-Euro-Steckdosen (kein Schuko!!) vorhanden. Es gibt keine Minibars oder ähnliches in den Kabinen, also keine Kühlmöglichkeit. Theoretisch könnte man eine Auto-/Camping-Kühlbox mitnehmen. Und bitte auf Airconditioning (Klimaanlage) eingestellt sein! Diese wird zentral reguliert und ist nicht individuell regelbar (obwohl Regler vorhanden, abgeschaltet). Weiterhin sind engl. Sprachkenntnisse -die man gerne voraussetzt- bei den meisten Crewmitgliedern auf ganz wenige Worte beschränkt, besser, man kann noch etwas italienisch vom letzten Urlaub. Es ist jedoch interessant festzustellen, dass die asiat. Crewmitglieder (mit denen man weniger Kontakt hat) besser oder gar wesentlich besser englisch verstehen und sprechen. In einigen Ländern ist auch beim Landgang wenig Hilfe mit Englisch zu erwarten (Portugal, Griechenland, Italien, Ägypten).Hier ist das eine oder andere Mini-Reisewörterbuch durchaus eine Hilfe. Außerdem ist es ratsam, sich die Seite "Ratgeber für Grimaldi-Passagiere" auszudrucken. Sinnvoll ist auch etwas Kartenmaterial (kein Atlas!! Aber evtl. kopierte Seiten daraus) dabei zu haben, damit man weiß, wo überhaupt der Hafen genau ist, den man ansteuert. Auch ein Google-Ausdruck über den Zielhafen ist nützlich. Geld: Man darf nicht davon ausgehen, überall mit EURO bezahlen zu können. Aber überall sind ausreichend ATM-Maschinen (Geldautomaten) installiert, so dass man mit Kreditkarte problemlos Bares in der notwendigen Höhe ziehen kann, um damit in örtlicher Währung bezahlen zu können. Ein kleiner Ausdruck der aktuellen Währungsverhältnisse ist jederzeit über www.currency.com möglich, damit hat man dann einen Vergleich zur Hand. Was gibt es sonst für längere Abende? Karten sind da, auch ein DVD-Spieler (in jedem Falle DVDs mitbringen, am besten die mit 4 Filmen), Fernsehen läuft fast immer, natürlich in italienisch und laut. Hörbücher sind sinnvoll, wenn man ein Netbook dabei hat, auf das man vorher diese Hörbücher sowie jede Menge Musik seiner Wahl überspielt hat. Ja, bei der Buchung unbedingt -auch wenn es etwas mehr kostet- auf eine Außenkabine bestehen, denn es lebt sich anders mit Blick nach draußen denn in einer fensterlosen Innenkabine. Auf eine halbrunde Miniduschecke mit 75 x 75 cm eingestellt sein! Ist für zwei Nutzer schon eine Aufgabe! Noch etwas zu den Mahlzeiten allgemein: Manchmal hat unser Steward eine Speisenkarte ausgelegt, die war sogar zweisprachig, dann ist das gut gewesen, denn man konnte halt sehen (lesen), was es geben sollte, und danach agieren, was, wovon und wieviel man essen will. Ohne Speisenkarte muss man alles an sich herantragen lassen und dann entscheiden, ja - oder einen Gang auslassen. Was sicher gerade abends öfter sinnvoll ist. Mineralwasser oder auch Pepsi/7up gehören zum "Lieferumfang" beim Essen, wer mehr will, muss sich an Land bedienen. Kompetenzen beachten: Selfservice wird von Stewards nicht gerne gesehen (unabhängig vom späteren Tip). Bei Landgang immer einen Stoffbeutel für Einkäufe (welcher Art auch immer) mitführen, denn Plastiktüten gehen kaputt und bei Papiertüten reißen die Griffe ab (wenn man z.B. einen 6er-Träger Bier oder 1-2 Fl. guten Weines mitnehmen will, denn das gibts natürlich an Bord nicht, braucht auch nicht unbedingt rumgezeigt werden). Generell darauf gefasst sein, dass vieles nicht so in Ordnung ist wie zuhause (ausgerissene Vorhanggleiter etc.), wir sind auf einem Frachtschiff und da hat eben Fracht Vorfahrt! Für Sonnenanbeter: Eigentlich sollte für jeden Passagier ein Deck-(Liege)stuhl vorhanden sein, in manchen sitzt es sich nicht gut, da ist ein ebenfalls öfter (nicht immer) vorhandener Kunststoff-Klappstuhl sitzgenehmer. Ich hätte gut meine Hängematte mitnehmen können, dafür gibt es wirklich ausreichend Festmacher. Aber wer denkt schon an alles?? Dafür soll dies eine Hilfe sein.

Montag 26.4.: Tag 1 an Bord: Antwerpen   (475.000 EW)                        Antwerpen-Google-maps
Nun denn, Freunde, Gijsbertus van Hattem, mein Gastgeber-Pastor, startete seinen Wagen knapp vor 9 Uhr, um mich zum Hafen zu bringen. Er fuhr nicht gerade zimperlich und so waren wir tatsächlich gegen 9:30 am Schiff. Die Grande Mediterraneo beeindruckte ihn stark, mich nicht weniger, zumal sie in einer Reihe mit der Grande Amerika, der Grande Angola und der Repubblica di Venezia lag, also 4 Grimaldi-Liner hintereinander. Wir wurden von einem Sicherheitsmann des Schiffes in Empfang genommen, ich legte mein Ticket und meinen Perso vor. Gijsbertus durfte als Besucher mit an Bord. Als Passagier wurde ich dann vom Steward Roberto in Empfang genommen und zu meiner Kabine 1022 geführt, 3,6 m breit und 5,5 m lang. Dann bekamen wir einen Espresso serviert und machten den ersten Gang auf dem Schiff noch gemeinsam. Sofort war er Feuer und Flamme für eine solche Reise und wusste nur nicht, wie er es anstellen konnte, seine Gemeinde dann 5 Wochen allein zu lassen. Wir schauten den forschen Fahrern zu, die gekonnt die zu ladenden Fahrzeuge an Bord brachten, ebenso wie den einen oder anderen Bagger oder auch Straßenwalzen für den nahen Orient. Dann jedoch trennten sich unsere Wege (so gegen 10 Uhr) in der Hoffnung, dass wir uns gesund gegen Ende Mai wiedersehen werden. Um 12 Uhr gab es Mittagessen, natürlich eine Penne und anschließend Fisch, dazu Getränk nach Wahl und als Abschluß ein Espresso.
Bei der Gelegenheit muss ich erwähnen, dass aktuell 2 Ehepaare an Bord sind, ein englisches (Colin und Frau, beide um die 70), welches vor kurzem erst eine Deutschlandreise gemacht hatte und nun in Southampton aussteigt (dafür kommen dann die Canadier) und ein italienisches Paar (Marciale und Lucia), welches ich auf um die 60 (er ist 67 wie ich später von ihm erfahre) schätze. Beide wirklich außerordentlich nett, sind vor etwa 4 Wochen in Salerno zugestiegen und werden in Salerno auch wieder abmustern. Die Engländer sind noch etwas kommunikativer als die Italiener, aber bei meiner Erzählung über meine Urlaube 1958-60 südlich Genua (Recco und Camogli nebst den Ereignissen der damaligen Zeit -Pro Recco vielmaliger ital. Wasserballmeister- sowie der Erinnerung an die Lieder dieser Zeit (Modunio mit Volare und Piove) kamen wir uns schnell, obige Lieder ansingend, entgegen. Einfach schön, diese alten Zeiten wieder auferstehen zu lassen, gerade bei Genuesern.
Es dauerte dann noch bis 1445, bevor wir losmachten ganze etwa 3 km im Verrebroek-Hafenbecken fuhren, bevor uns die Schleuse zur Schelde wieder ganze 1,5 Stunden festhielt, bevor wir dann unter Lotsenaufsicht die Schelde abwärts fahren können und soeben, 2045 haben wir die Scheldemündung endlich hinter uns gelassen, den letzten Piloten abgesetzt und sind auf der offenen Nordsee. Kurz ein Wort zu den Zeitangaben: Sie werden ohne Strich und Komma angesagt, also z.B. 1800 = eighteenhundered = 18 Uhr nachmittags.
Um 1800 Uhr war schon wieder Essen angesagt und Roberto, der Stewart, servierte -wieder mal, aber wir sind ja schließlich auf einem ital. Schiff- Pasta als Vorspeise und ein Kontaktgrill-Kurzbratstück mit Butterbohnen und Kartoffeln. Dazu -wer wollte- einen Rotwein oder etwas anderes. Ich muss aufpassen, um nicht gemästet zu werden.
2057 war Sonnenuntergang und es ist empfindlich kalt auf der Brücke, daher verziehen wir uns nach innen in unsere Kabinen, wo ich mich direkt über meinen Bericht hermache, damit auch nichts vergessen wird.
Master (Käpten) ist Giovan Battista Sirabella, Chiefmate (1.Off.) Francesco Russo und Chief Eng.(Chefingenieur) CiroTondelli . Die weiteren Namen werden bei ihrem jeweiligen Auftritt erklärt.
Langsam wird es dämmerig und das Licht habe ich schon lange angeschaltet, um arbeiten zu können.
Nochmal etwas zu meiner Unterkunft für die nächsten 35 Tage: Wie oben erwähnt etwa 13 m² groß einschl. einer etwa 3m² großen Nasszelle, Bett (ca. 1,2 x 2,2m), Kleiderschrank, Kommode mit ausziehbarem Schreibpult, Sofa. Da man ja nur temporär in der Kabine ist, sollte es für die 35 Tage ausreichend sein. Ob ich jemals etwas aus dem "magazino" brauche, bleibt abzuwarten, denn Roberto versorgt uns prächtig, so bekam ich direkt beim Eintritt eine große Wasserflasche in die Hand gedrückt und mein neues Standardgetränk Spezi -bestehend aus je einer 0,33er Pepsi und 7up- nehme ich noch immer mit in die Kabine. Die zwei Pops diekt auszutrinken ist zuviel. Nun warten wir mal die erste Nacht ab, denn morgen früh sollten wir in oder zumindest bei England sein. Während meiner Schlaf-Zwangs-Unterbrechungen (Toilette) sehe ich jede Menge Schiffe, fast wie aufgefädelt, in einiger Entfernung an uns vorbeiziehen, ich zähle beim Blick aus meinem Fenster mit etwa 210° Blickwinkel 11 Schiffe, es mögen mehr sein. Nun ja, die Nordsee ist eine der meistbefahrenen Schifffahrtswege. Das Bild bringt nichts, weil zu weit entfernt, zwar für das menschliche Auge sehr eindrucksvoll mit der vollen Beleuchtung, aber auf dem Bild nicht viel zu erkennen.Auch unser Pott ist wie ein Weihnachtsbaum beleuchtet, das allerdings kann man auf dem Bild unschwer erkennen.
Dienstag 27.4.: Tag 2 an Bord: Southampton  (230.000 EW)     Southampton-Google-maps
Gegen 0730 sind wir auf der Höhe von Southampton und fahren in die Mündung des Test ein. Schon gegen 6 Uhr haben wir einen Lotsen an Bord genommen, wie mir Colin aus Manchester sagt, der uns hier verlässt, um nach Liverpool zu fahren, dort wieder seinen Wagen aufzupicken (pick up) und dann Manchester, seinen Heimatort anzusteuern. Es dauert aber dann doch noch bis 0930, bis wir am Kai anlegen und festmachen, was immerhin eine Stunde nach unserem Frühstück ist.
Um 1000 Uhr verlassen dann Colin und seine nette Frau das Schiff, während das ital. Ehepaar die beiden bis London begleitet, um dort eine Besichtigungstour zu machen, die ich dann zeitgleich bis abends 6 Uhr per pedes apostulorum in Southampton absolviere. Von der Stadt gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu berichten, nur wundern wir Passagiere uns immer wieder, welche Mengen an Autos von etlichen Spezialschiffen, die auch hier liegen und laden, in alle Welt verschifft werden. Es ist unglaublich, was da kreuz und quer über das Wasser gekarrt wird.
Als ich das Schiff zwecks Landgang verlassen will, treffen die beiden Canadier Eve und John gerade ein, die ich nur ganz kurz begrüße, um dann in Richtung Innenstadt zu marschieren, die hier fußläufig vom Hafen aus erreichbar ist. IKEA liegt direkt vor meiner Nase und Marks und Spencer ist nebenan. Nur durch die Zwangsführung und Absperrungen im Hafengebiet sind es am Ende geschätzte 1,5 km Wegstrecke.
Gegen 18 Uhr zurück, tun mir sämtliche Gehwerkzeuge weh und ich bin froh, mich setzen bzw. legen zu können. Wir werden vermutlich gegen 2200 (es wurde 0034 daraus!) ablegen, dann sollte die Flut hoch genug sein, jedenfalls war der Ausgang auf 2100 limitiert, natürlich Greenwich-Time!! Vorsichtshalber hatte ich ja in Antwerpen (Sonntag!) noch eine Speicherkarte gekauft, aber da gab es im Bahnhof nur die allerunterste Klasse, daher habe ich heute nachgebunkert mit eine Klasse 4-SD-card, also mit hoher, wenn auch nicht höchster Schreibgeschwindigkeit, aber durchaus brauchbar. Da wir die nächsten 6 Tage in Richtung Salerno auf See sein werden, habe ich Zeit genug, die bisher gemachten Bilder zu sichten, auszuwählen und für das Internet zu bearbeiten.
Mittwoch 28.4.: Tag 3 an Bord:
Wir sind unterwegs, die See ist eigentlich glatt, hat aber eine lange Dünung, d.h. wir sinken langsam in ein Wellental, welches wir durchschneiden und uns danach wieder aufrichten. Alle paar Minuten hat sich das so aufgeschaukelt, dass es plötzlich einen oder zwei harte Schläge gibt, wenn das Schiff, obwohl mit rund 4000 Autos, vielen Baggern und sonstigem schweren Erdbaugerät beladen, regelrecht auf das Wasser aufschlägt, nachdem die letzte Welle es besonders hoch gehoben hatte. Ich bin um 8 Uhr am Frühstückstisch, meine ital. Mitfahrer kommen kurz danach und Eve und John lassen sich erst fast mittags sehen mit dem Hinweis, ich habe sie nicht geweckt. Nach dem Mittagessen gegen 1230 mit -wiederholende Tatsache: wie sollte es anders sein auf einem italienischen Schiff- Pasta als "primo piato" und dann gegrillten Seelachs mit Wirsingsalat, Obst und Espresso zum Abschluss, hole ich nach 13 Uhr mein Garmin-Etrex-GPS aus der Kabine, um zu sehen, wo wir sind und es zeigt sich, dass wir in der Höhe von Brest sind, unter 240° laufen und bald nach Süden Richtung Biscaya eindrehen werden. Danach lege auch ich mich für ein kleines Nickerchen hin, und nehme nach 15 Uhr wieder meine Berichte-Schreiberei auf, um nichts zu vergessen. Wir haben inzwischen beigedreht und laufen nun mehr gegen Süden in die Biscaya, die wir aber erst spät in der Nacht bis einschließlich morgen durchfahren werden.
Donnerstag 29.4.: Tag 4 an Bord:
Wir sind noch immer in der Biscaya, aber der "Schlechtwetter-Gott" hat uns verschont und daher haben wir heute morgen eine relativ ruhige See vorgefunden. Nach dem gemeinsamen Frühstück -Eve, John, Lucia und Marciale sowie meine Person- gehen alle ihre eigenen Wege: Puzzle ist bei den Canadiern angesagt, bei wenig Wind in einem nochmals windstilleren Eckchen sonnen sich meine Genueser Mitfahrer, während ich mit Kamera und GPS durch einen Teil des Schiffes turne, um außer dem Oberdeck noch etwas mehr zu sehen. Aber sehr viel mehr ist nicht, denn die Ladung in den unteren Decks steht so eng zusammen, dass man nicht durchkommt und sich zusätzlich schmutzig macht. Nachdem also auf Deck 5 die Winschen abgelichtet sind sowie auch hier die Panama-Klüse (kannte vorher trotz intensiver Beschreibung keiner von der Brückenbestzung, als ich mit dem Bild ankam war plötzlich alles klar: "Panama-lid". Warum nicht vorher??), hangele ich mich über das schmale "Treppenhaus" wieder nach Deck 10 hoch. Die See wird insgesamt etwas ruhiger, wir laufen an der Ecke Europas (Spanien nördlich Portugals) gegen späten Vormittag vorbei und gehen auf Südkurs 180°. Am späten Nachmittag fahren wir an Setubal vorbei (natürlich nicht zu sehen bei 100 km Abstand von der Küste) weiter in Richtung Süden. Die Uhr muss erneut umgestellt werden und zwar wieder zurück auf CET
Freitag 30.4.: Tag 5 an Bord:
Wegen der Zeitumstellung und weil ich erstmals meinen Kabinenfenster-Vorhang zugezogen hatte (warum eigentlich?), habe ich verschlafen und werde genau 8:30 wach. Jetzt aber hurtig! Beim Frühstück waren bereits alle weg und Roberto, der Steward, sonst immer die Freundlichkeit in Person, war etwas grummelig, obwohl sonst späte Gäste auch noch immer bestens versorgt werden. Ihm muss eine Laus über die Leber gelaufen sein. Und Cornflakes waren auch angeblich "aus". Nun, das bringt mich nicht um und daher gehe ich zum Schreiben dieses Berichtes in die Kabine. Wenn ich jetzt um 2100 Uhr für diesen Tag ein Resumee ziehen sollte, dann kann ich nur sagen, es war ein Bilderbuch-Tag. Das Thermometer kletterte bis auf 29° und die See war nahezu glatt wie ein Kinderpopo. Wir werden nun gegen 2200 in die Straße von Gibraltar einlaufen und das merkt man an der Anzahl der Schiffe, die man im Umkreis zählen kann, aktuell sind das 14 (von klein bis groß, auf- oder ablaufend). Um 1900 kam aus Richtung Gibraltar die Sina Maersk mit ~10.000 TEUs an Bord und mit uns in Richtung Gibraltar lief ein schneeweißer Chemikalien-Tanker, der leider nicht im Index stand. Da habe ich überhaupt meine Probleme mit, denn inzwischen sind es schon etliche Frachter, deren Name ich im Lloyds Shipping Index nicht finden kann, vermutlich umbenannt anläßlich Besitzwechsels. Und der Index ist aus 2008
Wie immer ist das Essen sehr gut, es werden 2 Gänge serviert, heute -wer ahnt es?- Pasta in Pulpo (Octopus)-Soße und anschließend Pulpo selbst, danach Käse und noch Obst, wer will. Alle wollen!
Dazu, wie bereits weiter oben erwähnt, für Weintrinker 0,2er Rotwein-Minis. Bei Bedarf bekommt man notfalls Nachschlag und wer will, kann nachmittags -einfach so- Schmalzgebackenes abgreifen. Es steht -ebenso wie die ständige Vorhaltung von Focaccia- am Servicetisch bereit. Und wenn Roberto gerade über den Weg läuft, ist auch eine Tasse Capuccino drin. Oder Selfservice!
Es ist gerade 2200 und ich gehe nochmal aufs Oberdeck, um einen Überblick zu bekommen. In Fahrtrichtung rechts (Starboard) liegt jetzt hell erleuchtet die Küste von Marokko und links (Portside) Spanien. Ich bin richtig erschrocken, als ich wie üblich an den Autos vorbeigehe und da sitzt doch tatsächlich einer in einem Wagen!! Einer von der Schiffscrew, der nach kurzem Gruß murmelt "..telefonare a casa" und dann sehe ich neben der Brücke eine ganze Reihe meiner "alten Bekannten", die alle aufgrund der Nähe zum Festland versuchen, über das spanische Netz einen Anruf zur Familie zu realisieren. Ich hoffe, sie hatten Glück!!
Samstag 1.5.: Tag 6 an Bord:
Vorweg für Gografie-Fans: Wir stehen im Moment bei 36°, 36,822` Ost und 1°1,035` West auf der Höhe von Oran/Algerien
Natürlich kann man vom arbeitsfreien 1.Mai hier an Bord nichts feststellen, es läuft wie immer alles ganz normal und es verspricht ein schöner, warmer Tag zu werden. Im Moment ist es noch etwas dunstig über der See, was sich bestimmt in der nächsten Zeit aufgrund der aufsteigenden Sonne ändern wird. Es ist jetzt kurz nach dem Mittagessen und bei moderaten Temperaturen immer noch etwas dunstig, jedoch können wir schon die ersten Möven sichten, was ja gewöhnlich auf Landnähe hinweist.
Ganz erstaunt registrieren meine kanad. Mitfahrer und ich heute eine Tageskarte auf dem Tisch, ob das der 1.Mai ist??   Auf alle Fälle kann man so immerhin bewerten, wo man "zuschlagen muss" oder eher weniger ordert. Die heutige Speisenkarte, die übrigens von Gennaro -der wohl für Computerei zuständig ist- verfasst wurde, findet Ihr  hier .Als kleinen Spaß hatte der Chefingenieur für seinen Enkel einen Hubschrauber-Bausatz mit Fernsteuerung gekauft, den sein Adjutant Marco (Masch.-Ing.) am Mittagstisch kreisen lässt (hier). Könnte mich auch direkt begeistern, wäre jedoch für Rafael und Tilman 7-10 Jahre zu früh.  
Jetzt bin ich aber für einen halben Tag richtig aufgeschmissen. Warum?? Die Airkonditioning war ausgefallen und in meiner Kabine war es ziemlich warm geworden, also wollte ich in den Aufenthaltsraum neben dem Speisesaal gehen, wo man sich normalerweise aufhalten könnte. Ich packte den Rechner nebst Netzteil und Rest unter den Arm und marschierte also um die Ecke. Dabei ist der Rechner wohl zugeklappt und in den Ruhezustand gewechselt, aus dem ich ihn nicht erwecken konnte, ich glaubte, er sei kaputt. Was könnte ich wohl in Salerno machen, um ihn wieder zu beleben? Aber es muss ja auch ohne PC weitergehen und da ich noch meinen PDA dabei habe, kann ich wie in Canada und NZ die wichtigsten Notizen hier niederlegen. Also weiter zur Schifffahrt:
Beim Abendessen großes Wunder: Es gab als Nachtisch Eis !!! Nach dem schönen Tag ist es aber ab dem frühen Abend vorbei mit dem guten Wetter, es wird mächtig diesig und damit feucht. Habe nochmal das GPS angeworfen und stelle fest, dass wir um 2045 auf der Höhe von Algier schippern, werden wohl am morgigen Sonntag in Richtung Sardinien laufen. Für den Rest des Abends höre ich Musik. Hier noch ein paar Worte zu meinen ital. Mitfahrern, eben "echte Italiener", besonders Marziale, groß und kräftig, mit gutem Appetit, der sich mit Crew und vor allem Roberto, dem Steward, sehr lebhafte Wortwechsel liefert. Für ihn und auch Lucia ist sehr wichtig, ganztägig den Fernseher irgendwie im Blickfeld zu haben, natürlich besonders wegen der Nachrichten, aber auch vielgeliebte ital. Soap-Operas sind bei beiden angesagt. Es ist immer ziemlich laut im Aufenthaltsraum, der vom Speiseraum abteilbar, aber nicht abgeteilt ist und so laufen hier wie da die beiden Fernseher, entweder -wenn man Glück hat- auf einem Kanal oder sogar noch auf getrennten Kanälen, allerdings häufig mit "kein Signal" -Anzeige.
Sonntag, 2.5.: Tag 7 an Bord:
Der PC rührt sich imer noch nicht, aber ich habe das Gefühl, er ist nicht kaputt, zermartere meinen Kopf nach Lösung. Aber erst mal Frühstück. Immer noch gleiche Wetterlage wie gestern abend. Es ist schon erstaunlich, was Italiener zuwege bringen: Wie mir Eve erzählt, hat ihr Roberto, unser Steward, ziemlich unverblümt gesagt, dass langsam sein Tip fällig würde, da er in Salerno das Schiff verlasse. Frechheit! Nichts desto trotz, ich habe einen Umschlag besorgt, so dass wir heute abend unser gemeinsames Trinkgeld eingetütet übergeben können. Seine Art ist nicht dazu angetan, die Höhe seines Trinkgeldes positiv zu beeinflussen, eher im Gegenteil. Ich messe erneut unseren Standort und wir sind inzwischen unterhalb Sardiniens und laut Tableau auf der Brücke werden wir gegen 600 in Salerno ankommen. Um 1200 am heutigen Sonntag sind wir südlich Sant Antioco-Cagliary.
Es lohnt sich nicht, die Küche näher zu beschreiben, da sich die Speisen lediglich auf unterschiedliche Zubereitungsarten beschränken, die Grundsubstanz aber gleich ist, auch wenn es heute abend mal Hühnchen gibt und als Nachtisch eine Art Windbeutel. Lediglich der anschließende Käse und das Obst sind eine feste Konstante. Die Gespräche mit Marziale und Lucia werden mir sicher fehlen, denn einerseits weiß der Mann wirklich vieles (er hatte, und das nimmt man ihm direkt ab, viele hochklassige Managerjobs, die offenbar auch lukrativ waren, denn er hat mehrere Sommerresidenzen) und andererseits versucht Lucia ständig, mich mit dem richtigen italienischen Vokabular zu versorgen, denn sie kann kein Englisch und muss sich alles übersetzen lassen. Als hoffentlich positive Nachricht nehmen wir das Gerücht entgegen (allerdings von Roberto kolportiert), daß unser neuer Steward ein Filipino (Fehlinformation, er ist Italiener aus Napoli) sein soll und Evelyn prompt sagt: "We will trim him". Nach dem Abendessen, wo sich Roberto noch einmal von seiner guten Seite zeigt, übergebe ich den Umschlag mit dem Trinkgeld, wofür er sich wortreich bedankt. Im Verhältnis zu den beiden Canadiern habe ich mit meiner Kabine wirklich großes Glück (dafür auch entsprechend viele emails gewechselt), denn ich liege mit Blick zur See auf der rechten Schiffs-Seite, während die beiden 80-jährigen eine allenfalls gleichgroße Innenkabine mit Hochbett haben, Jack mit seinen 83 also klettern muss. Ich habe keine Ahnung, ob und wenn ja, wie oft er nachts raus muss. Sie werden versuchen, nach dem Auszug von den beiden Italienern in Salerno deren Kabine zu bekommen (Hinweis: Hat nicht geklappt). Die mit "Passagieri" beschrifteten Außenkabinen sind ansonsten von Crewmitgliedern besetzt.            
Montag, 3.5.: Tag 8 an Bord: Salerno  (150.000 EW)         Salerno-Google-maps            Ratgeber für Landgänge
Gegen 0515 werde ich wach, weil sich die Maschinengeräusche verändert haben und da ich weiß, wir laufen Salerno an, stehe ich auf und gehe aufs Deck raus, sehe die entfernte Kulisse der beleuchteten Amalfi-Küste und gehe wieder in meine Kabine, um mich richtig anzuziehen. Und so erlebe ich die komplette Einfahrt und das Anlegemanöver zu einer Zeit, die eigentlich für mich noch zur Nachtruhe zählt. Aber in diesem frühmorgentlichen Zwielicht lassen sich sehr schöne Fotos machen und dann kommt das Frühstück gerade recht. Bedauerlicherweise sind wir nur noch zu dritt, denn "cara Lucia" und Marziale durften schon von Bord, da sie ihren Wagen in einem Hotel abholen und dann noch nach Genua fahren müssen. Dort werden sie allerdings auch nur wenige Tage bleiben, um anschließend für die Sommermonate nach Sardinien in ihr Ferienhaus gehen.
Leider müssen wir über Gebühr auf die Herausgabe unserer Pässe warten, die uns zwecks Landgang erst gegen 0915 ausgehändigt werden. Und dann kommt das übliche Gefahrenmoment ins Spiel, wenn man ohne vorgeordertes Taxi zum Hafeneingang will. Gerade bei Häfen mit Neufahrzeug-Verladung und regulären Containerbewegungen per LKW muss man auf alles gefasst sein. Die Truckfahrer arbeiten im Akkord und sind nicht zimperlich. Das Hafentor (gate) erreichen wir ohne Unfall, allerdings schon etwas "angeschwitzt", da die Sonne kräftig vom Himmel scheint. Ein Carabinieri ist so freundlich und bestellt ein Taxi für uns 3 people. Da jedoch kommt gerade ein Taxi an, welches ein Mitglied irgendeiner Schiffsbesatzung absetzt, wir winken, steigen ein und 100 m weiter wieder aus. Warum das?? Der Taxifahrer hat über Funk den Einsatz eines Kollegen zum Hafentor mitbekommen, also werden wir heraus komplimentiert, stehen auf der Straße und dann kommt das georderte Taxi endlich und befördert uns in die Stadt. Dort trennen sich unsere Wege, da natürlich Evelyn und Jack andere Interessen haben als ich. Frage mich als erstes zum i-Punkt durch (Tourist-Office) und bekomme leider zu hören, dass in der gesamten Umgebung leider kein drahtloser Internetzugang zu finden ist, der mir ermöglichen würde, die Arbeit der letzten Tage hochzuladen und somit ins Netz zu stellen. Also werden lediglich emails verschickt und dann schlendere ich langsam durch die Straßen in Richtung Hafen, denn wir müssen um 1300 wieder am Schiff sein. Jetzt ist mein Laptop-Rucksack natürlich eine unnötige Belastung, aber weiß man es vorher?? Zwar ist noch reichlich Zeit, aber die Uhr läuft. Ich genehmige mir eine Riesenportion Eis und gehe -die engen Straßen immer wieder fotografierend- weiter. Salerno, wie Genua und eben nahezu alle Städte in die Höhe gebaut, hängt hier am Appenin , die "Strada del Sole" führt in schwindelnder Höhe am Hang z.T. über der Stadt entlang und es herrscht reger Auto- und auch Fußgängerverkehr. Als es gegen 1230 ist, besorge ich mir in einem "Tabacchi" ein Autobusbillet, erkundige mich nach der richtigen Linie (No.6 wusste ich bereits, aber welche geht noch zum Hafen??) und warte dann auf die Linie 8, die bis etwa 100 m vor das Hafentor fährt. Endpunkt. Das Ticket gilt 90 min ab Abstempeln und man kann in dieser Zeit fahren, wohin man will. Ab Hafentor heißt es wieder, alle Sinne zu schärfen und dann bin ich exakt um 1300 wieder am Schiff und lasse mich austragen. Eve und John sind schon 1/2-Stunde vor mir angekommen. Gegen 1430 legen wir endlich ab und dabei sehen wir, dass ein neuer Master das Kommando übernommen hat. Ebenso sind einige Crewmitglieder vom Schiff abgegangen, dafür neue Gesichter an Bord. Vor allem ist nun der junge neue Steward da, Giuseppe ist sein Name, was besonders Eve, die sich -selbstsicher, wie sie ist- dem neuen Kommandanten selbst vorstellt, zu einer bissigen Bemerkung in Sachen Roberto veranlasst. Roberto, da muss man ihr Recht geben, war schon etwas schmuddelig, was sich an vielen Stellen seines Wirkungskreises zeigte. Aber was soll man sagen? "We will trim him" hatte sie in Richtung des neuen Stewards gesagt und in dieser kurzen Zeit heute macht er eine gute Figur. Aber Fillipino ist er nicht (Neapolitaner), das passt nicht zu seiner Größe von etwa 185 cm. Wir haben beim Abendessen das Gefühl, auf einem neuen Schiff zu sein: Wir werden fachmännisch bedient, das Essen (was natürlich von Andrea, dem Koch, kam) ist sehr gut und jetzt ist es eine Freude, hier zugreifen zu dürfen. Hoffentlich bleibt es auch so in den nächsten Wochen. Noch immer hat die Sonne eine große Kraft und wir legen uns erneut in die Liegestühle, bis der auffrischende Wind unseren Deckaufenthalt beendet. Lediglich den schönen Sonnenuntergang nehmen wir dann später noch mit in die Kabinen. Insgesamt ein guter Tag.
Dienstag, 4.5.: Tag 9 an Bord:
Diese Nacht muss mich wirklich mein visuelles Gedächtnis genarrt haben, denn ich wurde erstmals gegen 0030 wach wegen eines gewissen Dranges, schaute aus dem Fenster und sah...Salerno! Hat der neue Kapitän etwa vergessen, den Ofen abzuschalten, dachte ich, denn die sog. Skyline, also die Landsicht, schien exakt die gleiche zu sein, wie am Vortag beim Anlaufen von Salerno, mit der Uferpromenade, den Hügeln etc. Und das Schiff stand nahezu, als "alter Fahrensmann" war klar, wir lagen "auf Reede". Und zwei Stunden später hatte sich nicht sehr viel geändert. Aber heute morgen waren wir dann doch im Ionischen Meer auf dem Weg nach Piräus und die nächtliche Aussicht hatte eine Erklärung: die Straße von Messina darf nur unter Aufsicht eines Lotsen sehr langsam durchfahren werden, daher mein Gefühl für Stillstand. So wird man gelegentlich (zudem nachts) von seinem inneren Kompass genarrt.
Ich gehe mit meinem GPS nach draußen, während mein Müsli eindickt, und stelle unseren Standort fest: 37° Nord, 18° Ost
Zurück im Speiseraum läuft mir gerade der neue Master über den Weg, ich stelle mich ihm vor (sollte bei 3 Passgieren eigentlich umgekehrt sein) und frage nach seinem Namen: Vincenzo. So, jetzt wissen wir es! Aber deshalb ist er nicht wortreicher als der alte, greift sich eine Semmel und verschwindet wieder. Eve und ich -und ergänzend manchmal John- tauschen diverse Lebenserfahrungen aus und es nervt uns z.B., wenn an jeder Wand das Schild "Absolutes Rauchverbot" zu sehen ist, diverse Leute jedoch geflissentlich diesen Hinweis ignorieren. Außerhalb der Schiffswände sollen die Raucher ihren Spaß haben, wenn er befriedigt werden muss, aber im Schiff ist das nicht nötig. So werden wir Carlo di Falco, der das Passagier-Management in Neapel unter sich hat, eine kleine Notiz nach Reiseende zukommen lassen, wo wir die größten Mißstände sehen. Immerhin will er mit <Maris-Freightercruises> im Geschäft bleiben und das deutsche Geschäft -weil ja in Europa diverse Anlaufhäfen sind, die mit wenig Aufwand erreicht werden können- ausbauen. Schließlich müssen die Amerikaner und Canadier, die über Maris buchen, erst einen aufwändigen Flug mit dem bekannten Gepäcklimit buchen, bevor sie in einem der EU-Häfen an Bord gehen können (die meisten fliegen über London und steigen somit in Southampton zu). Es ist zwar sicher nur ein Taschengeld für die Grimaldi-Line, aber es deckt dann wenigstens den Kostenaufwand.
Bisher zeigt sich der Steward von seiner guten Seite, arbeitet bei der Kabinenreinigung in seinem Standard-Arbeitsdress und zu den Mahlzeiten erscheint er korrekt umgekleidet und bedient sowohl Crew als Passagiere perfekt.
Leider werde ich nach meinem abendlichen Fotorundgang mit einer schlechten Nachricht empfangen: Morgen -Mittwoch, können wir Piräus nicht anlaufen wegen Streik. Wir werden auf Reede liegen und erst am Donnerstag anlegen können. Das passt natürlich absolut keinem in den Kram, weder der Schiffsführung noch uns, denn wir verlieren einen weiteren Tag, hängen also bereits 4 Tage hinterher. Wer weiß, was uns auf dem weiteren Weg noch erwartet. Übrigens war heute wieder ein sehr sonniger Tag, leider mit Wind angereichert, so dass man sich allenfalls in einer windstillen Ecke (wo war die bloß??) sonnen kann.
Mittwoch, 5.5.: Tag 10 an Bord: Auf Reede vor Piräus
Nun hat es uns tatsächlich gemäß gestriger Information erwischt: Wir liegen in gemeinsamer Harmonie mit rund 25 anderen Schiffen auf der Reede vor Piräus (37°Nord, 23° Ost), nur weil -und das scheint wirklich das "Problem Griechenland" zu sein- wieder einmal das Volk gegen die Regierung streikt und nicht merkt, wie hier abermals hunderte Millionen den Berg runtergehen. Mir persönlich scheint es wirklich an der Zeit, den Griechen wieder ihre Drachme zurück zu geben, dafür den Umtausch zur Urlaubszeit zu akzeptieren. Nur wird das leider auch unsere Wirtschaft zusätzlich belasten, weil dann auch der Schengen-Vertrag hinfällig ist mit allen Vorteilen des innereuropäischen Handels. So liegen jetzt um 0930 hier 25 Schiffe fest -und sicher werden es mehr im Laufe des Tages-, die z.T. längst hätten gelöscht sein können, wir lägen am Kai und die Autos könnten rollen und wir Passagiere würden gutes Geld ausgeben in Piräus oder Athen. Aber irgendwie scheint auch der Tagesstandard bei uns abhanden gekommen zu sein, denn unser Frühstück war -ebenso für die Crew- auf einem Servicetisch angerichtet, es war Selfservice angesagt und man muss sich alles von verschiedenen Tischen zusammenklauben. Nichts desto Trotz: Draußen scheint wie die ganzen letzten Tage die Sonne und es wird -allein wegen des Stillstandes- ein recht warmer Tag zu werden. Es ist eher drückend, als übermäßig warm, aber 27° sind es doch.
Den dritten Offizier fragen wir nach dem System, wie morgen die Schiffe den Hafen anfahren dürfen: Geht es nach der Schnelligkeit, nach der Art des Liegeplatzes, der vermutlichen Liegedauer?? Keine Ahnung, das alles regelt der VTS, der "Vessel Traffic Service" des Athener Ports. Man muss abwarten, wer wann wohin darf. Das zeigt sich auch bei der Annäherung neuer Schiffe, die einen Liegeplatz zugewiesen bekommen und nicht einfach wild zwischen den anderen vor Anker gehen können. Inzwischen verlassen aber auch bereits 2 Schiffe den Liegeplatz auf Reede, ohne gelöscht zu haben, wie mir schien. Aber es wurde mir erklärt, daß Tanker mehrere kaum sichtbare Löschstationen hier auf der Reede haben, die per Pipeline über etwa 2-3 km mit dem Festland verbunden sind. Und die Tanker hatten offensichtlich gelöscht.
Plötzlich geht gerade der Lautsprecher los mit 7 unterbrochenen Tönen und folgendem Dauerton: Generalmobilmachung, also General-Notfall. Ich packe meine Schwimmweste, den Helm und den Seesack mit dem Rettungsanzug und laufe den Crewmitgliedern im blauen Overall hinterher. Alle versammeln sich am Starboard-Rettungsboot (also rechts) und werden dann vom 3.Offizier namentlich aufgerufen (ich nicht). Dann taucht der Chef auf (Master=Kapitän) und weist an, welche Übung gemacht werden soll. Das Rettungsboot wird zu Wasser gelassen, jedoch hakt es da und dort ein wenig, die Übung sitzt nicht so sattelfest, wie vermutlich vorgesehen. Trotzdem werden alle Schritte abgearbeitet, zweimal hochgezogen und wieder runter, zum Schluß erneut in die Halterungen eingeklinkt, nachdem mächtig mit Fett (unser alter deutscher Ausdruck: Staufferfett) nachgefettet wurde, um alles gängig zu halten. So wie ich die Sache als Laie sehe, war diese Übung wohl schon etwas überfällig. Meine Fotos zu dieser Übung habe ich mit etwas verdeckter Kamera gemacht, weil es dem Master wohl irgendwie nicht so recht passte, einen Fotografen dabei zu haben. Übrigens waren Eve und John gar nicht erschienen, zum Übungsende erschienen sie plötzlich auf der Bildfläche und sahen sich sozusagen den Abschluss der Übung an.
Ab 1930 wird es relativ schnell dunkel und dann ist die Zeit der "Twílight-Fotografie" gekommen, so auch heute. Durch die vielen auf Reede liegenden Schiffe, die alle voll beleuchtet sind, und dem Hintergrund der Stadt Piräus, sieht die Kulisse natürlich traumhaft aus. Trotzdem ist es schwierig, eine gute Mischung aus Brennweite und noch ausreichendem "Material" auf die Platte zu bannen, entweder habe ich viele Lichtpunkte, die nicht zu deuten sind, oder ich zoome näher heran, dann habe ich natürlich nur noch einen begrenzten Bildausschnitt, der aber etwas hergibt. Von Sternen ist allerdings heute nichts zu sehen, der Himmel scheint bedeckt zu sein. Das sah gestern ganz anders aus: Ein Sternenmeer ohnegleichen.
Donnerstag, 6.5.: Tag 11 an Bord: Piraeus   (200.000 EW)           Piräus-Google-maps
Ich werde um 0600 wach, werfe einen Blick aus dem Fenster und sehe Bewegung, da schiebt sich nämlich unser Schiff recht nah an der "Ionian Wind" - einem Frachter mit 4 Ladebäumen- vorbei und als ich dann 1 Stunde später das nächste Foto schieße, laufen die Frachter wie im Elephantenmarsch hintereinander -natürlich gelotst- in den Hafen von Piraeus und die verschiedenen Hafenbecken. Wir bewegen uns rückwärts auf unsere Anlegestelle zu und ich hätte fast geschworen, dass wir mit zwei dazu querliegenden alten Schiffen zusammenstoßen würden, als ich mir das Manöver vom Heck aus ansehe. Aber nachdem die Maschine den Umkehrschub auf volle Kraft brachte, hatte ich das Gefühl, die beiden Schiffe würden hochgehoben und aufs Trockene gesetzt. Die (Mini-)Besatzung der beiden Pötte jedenfalls war in höchster Aufregung, bis unser Manöver beendet war. Jetzt konnte wenigstens in Ruhe gefrühstückt werden (dachte ich), aber auch daraus wurde nichts, denn vom Steward keine Spur, es war alles für Selfservice vorbereitet. Eve und Jack waren bereits weg, um sich auf den Ausgang vorzubereiten. Ich ließ mir Zeit und so gegen 0915 ging auch ich von Bord, wusste aber eigentlich nicht so recht, wohin. Ich bin dann einfach mal in die dem Liegeplatz gegenüberliegende Bebauung gegangen (5-8-geschossige Häuser kleben am Hang, da das Hinterland bergig ist) und habe feststellen müssen, dass Piräus eine vor Schmutz starrende Stadt ist. Weitere Beschreibungen spare ich mir zu diesem Thema, da es einfach unglaublich ist. Vom Schiff aus hatte ich eine Art Kapelle hoch am Hang gesehen, da habe ich mich hinauf gehangelt. Auf dem Weg habe ich die eigenartige Feststellung gemacht, dass meine Armbehaarung richtig knisterte und sich von selbst aufstellte, als ob ich in eine elektr. Ladung getappt wäre. Mein Ausflugsziel war wohl wirklich so eine Art Kapelle und vermutlich wurde an freien Wochenenden dort von der Bevölkerung noch herumgewerkelt. Es war Wasser da zum Händewaschen, von den Handwerkern waren Stühle dort und so habe ich eine halbstündige Auszeit gemacht, denn der Blick von dort war überragend. Aber natürlich ist Piräus zuvorderst eine Hafenstadt mit Industrie, zugleich der drittgrößte Hafen im Mittelmeer, man sieht das bei jedem Blick. Während ich also dort meine Ruhepause einlegte, waren Eve und John als Canadier vom Grimaldi-Agenten mit den Pässen zwecks Abstempeln rumgekarrt worden. Und der Stempelfritze saß nur am Kreuzfahrt-Hafen. Da hatte ich den Vorteil des EU-Bürgers auf meiner Seite, obwohl mein Resumee an diesem Tage -wie schon gestern- ist, dass eine Stunde Rundgang durch Piräus -was mir ja noch nicht einmal vergönnt war, aber durch Eve´s Erzählung bestätigt wurde- beweist, warum Griechenland "am Ende" ist. Vor meinem Spaziergang hatte ich mich ordentlich eingecremt und natürlich behütet, denn bei 32° ist das Rumlaufen schon etwas kraftzehrend und mitgeführte Getränke sind notwendig. Diese allerding kann man an jeder Ecke nachkaufen für 1 €, denn da sind Unmengen von Kiosken, die dem Vorüberhastenden Erfrischung und Tageszeitungen anbieten. Der Grimaldi-Agent ließ John gegenüber durchblicken, dass geschätzt 50% mehr Bevölkerung hier lebt, als offiziell registriert, alles Flüchtlinge aus afrikanisch-arabischen und anderen Staaten, daher auch das Wirtschaftsproblem. Der Verkehr hier ist besonders durch die Unmengen von Container-Trucks gekennzeichnet, die oft auf den Zufahrtsstraßen sehr lange stehen müssen, bevor sie abgerufen werden, zumal hier gerade eine weitere Hafenfläche von grob geschätzten 40 ha für die Containerverladung hergerichtet wird, komplett mit neuen Gantrys (Verladebrücken) und dem weiteren zugehörigen Ladegerät. Diese langen Wartepausen macht sich wieder jemand anderes zunutze: Ein Verkaufsfahrer mit solch einer Dreirad-Vespa fährt zwischen die LKWs und versorgt sie mit Getränken etc.
Es ist inzwischen nach 12 Uhr und ich habe müde Füße, gehe nahe des Hafens, in Sichtweite meines Schiffes, in einen neuen Supermarkt (3 Etagen, absolut sauber und natürlich klimatisiert) und esse im Restaurant einen Fleischspieß auf Reisplatte, dazu eine Schale mit gemischtem Obst: 7,70€   Insgesamt stelle ich fest, dass die Preise hier von wenig bis erheblich höher sind als bei uns in Deutschland. Der Laden ist relativ gut gefüllt, die Bankomaten draußen sind voll frequentiert. Jetzt kommt noch eine kleine Überlebensaufgabe, denn in Richtung Schiff muss ich 2 vierspurige innerörtliche Straßen überqueren. Obwohl noch reichlich Zeit wäre (Vorgabe: 1400), melde mich zurück und suche meine Kabine auf, um die Füße hoch zu legen, das ist nötig. Die Ablegezeit 1500 wird um lockere 4 Stunden überschritten, dann aber kommt Bewegung ins Schiff und wir laufen aus in Richtung Izmir. Gegen 1800 wird vom Koch Andrea der erste Gang serviert (wo ist bloß Giuseppe, der Steward?? Angeblich ist ihm nicht gut. Später jedoch taucht er noch auf, er kann sich wohl nicht erlauben, den Offizierstisch -heute erst ab 1930 besetzt- durch den Koch bedienen zu lassen). Was anderes als Spaghetti könnte wohl serviert werden? Dazu gab es gedünstete Hühnchen, die ich weglasse und nur noch das Ost nehme. Dann verziehe ich mich gegen 2000 nach draußen, um das Verschwinden von Piräus am Horizont im Dunst der untergehenden Sonne als Foto noch mitzunehmen.
Freitag, 7.5.: Tag 12 an Bord: Izmir  (3 Mio EW)                 Izmir-Google-maps
Izmir (2,5 Mio EW, New Turkish Lira - aber alles ist sowohl in YTL als € ausgezeichnet und man kauft wie in EURO-Zone).
Man merkt sofort, wenn die Maschine mit gedrosselter Kraft fährt, davon werde ich wach, etwas nach 6 Uhr, sehe, dass wir an einer ähnlichen Küstenformation wie in Piräus vorbeifahren und lege mich wieder hin, um dann endlich um 7 Uhr aufzustehen. Nach einem weiteren "Selfservice-Frühstück" wollen wir den Kapitän fragen, wann wir von Bord gehen können, hören aber (wie uns schien) harsche Worte aus der Kapitänskabine, wo offensichtlich Giuseppe, der Steward, und Andrea, der Koch, vom Master zusammengefaltet werden. Wir werden sehen, was sich ändert, sofern es überhaupt um derartige Problemlösungen geht.
Nun, es ist 0915, als wir von Bord gehen, nicht ohne uns gut einzucremen, denn am Tage sollen es 31° werden. Freundlicherweise war vom Lademeister ein Shuttle zum Passagierterminal arrangiert worden, wo allerdings auch keiner nach irgendetwas fragte. Direkt gegenüber steht ein Taxi und wir einigen uns mit dem Fahrer, uns die wichtigsten Punkte der Stadt in zwei Stunden für 45€ zu zeigen. Der wichtigste Punkt ist natürlich die Agora, der alte Bazaar aus 400 v.Chr. und dort treffen wir auf eine Schulklasse (sowas wie Highschool), die mit ihrem Lehrer die Agora als Teil des Geschichtsunterrichtes besichtigen. Der Unterricht war schnell abgeschrieben und dem Lehrer, einem freundlichen älteren Herren, tat das offensichtlich nicht weh, denn die Mädchen und Jungen (etwa 14-16) sind außerordentlich wißbegierig und fragen einem Löcher in den Bauch, natürlich in Englisch. Vor allem will wohl jeder selbst hören, wie man heißt, denn "what is your name" werde ich sicher 20 x gefragt. Alle haben eine Schuluniform an, die Mädchen Schottenkaro-Rock und weiße Bluse, alles sehr adrett. Das ist eine sehr positive Begegnung mit der jungen Generation, und positiv empfinden wir nach dem schmutzigen Piräus auch das recht saubere Izmir, ich würde sagen, das ist deutscher Standard. Dann fahren wir durch viele Gassen der Altstadt zu einem alten Wehrturm, weit oberhalb der Agora, von wo aus man einen totalen Überblick auf Izmir hat. Da dieser Ort ganz offensichtlich ein Touristenpunkt ist, haben sich einige fliegende Händler hier niedergelassen, die u.a. auch Kelims fabrizieren, d.h. jeden Tag etwas mehr daran arbeiten. Auch hier finden wir 4 Schüler, die uns sofort mit gleichartigen Fragen wie die ganze Schulklasse überfallen. Zurück geht der Weg dann zur großen (Izmir)Moschee, die wir nach den üblichen Ritalen betreten können. Nach diesem Besuch soll uns der Fahrer eigentlich zum großen Bazaar bringen, was darin endet, dass er uns sozusagen am Eingang eines Lederwarengeschäft absetzt und kassiert. Nun wissen wir alle, dass viele Türken aus Deutschland wieder in die Heimat zurück sind und so war auch hier der Inhaber ein gut deutsch sprechender Geschäftsmann, der uns zum Tee einlädt. Eve und Jack wollen nicht, ich will, und so trennen wir uns. Nach 15 min smalltalk über alles und Politik (er kam aus Augsburg zurück) ist natürlich endlich "Geschäftszeit" gekommen. Als jedoch alle Künste, mir eine Lederjacke anzudrehen, versagen, ist jedes weitere Gespräch erledigt und ich gehe los, um endlich ein Internetcafe zu suchen. Obwohl sicher massenhaft vorhanden, dauert es (auch nach Hinterfragen) etwas, bis ich fündig werde. Rein und für 1 Stunde zu 1 € gebucht, kann ich endlich diesen Bericht als Anhang lossenden. Dabei muss ich dreimal meinen Text überarbeiten, denn nachdem ich meinen Bericht geschrieben habe, stelle ich fest, dass man auch Umlaute (aber nur ö und ü, nicht ä) kennt, auf ganz anderen Tasten, klar! Fertig, weg damit. Kontrolle. Jede Menge Fehler zu sehen, besonders in der Anschrift. Das wiederum lässt mich die Tastatur erneut erforschen und ich stelle dort, wo wir etwa die Raute # haben, ein einzelnes i fest und mein i  gemäß deutscher Tastatur (es ist wie ein i ohne Punkt darauf) ist etwas anderes, was zu jeder Menge Fehlermeldungen führt. Also noch einmal korrigiert und dann geht es wohl im dritten Durchgang fehlerfrei über den Draht weg, hoffe ich jedenfalls. Ja, so macht man seine Erfahrungen (Tausch y --> z war auch hier!!). Um 1400 treffe ich dann nach einem längeren Fußmarsch wieder am Schiff ein, obwohl Zeitlimit bis 1600 ist. Aber bei 30° sitzen die Türken im Schatten der Geschäfte, spielen Brettspiele und trinken Tee oder Kaffee. Dazu aber hätte ich türkisch sprechen müssen.
Meine Kanadier sind schon eine Stunde vorher eingelaufen und wussten von gutem Essen und Bier zu berichten (Eve scheint da ein Problem zu haben, denn nachmittags um 5 Uhr wird vom Steward schon die 0,25er Rotwein-Mini erbeten. Und beim Abendessen sowieso. Wie unalkoholisch fühle ich mich da!!).
Noch etwas zum Hafen: Izmir (2,6 Mio EW) ist neben Istanbul der wichtigste Hafen der Türkei, so konzentriert wie hier habe ich noch keinen Hafen gesehen. Man könnte ein gleichschenkliges U malen und an jedem Schenkel könnten gerade 2 Frachter festmachen, mit anderen Worten: Etwa 800 x 800 x 800 m sind die Kais gemäß meiner Schätzung und es warten auf Reede schon die nächsten, um andocken zu können. Auch die Grande Anversa von Grimaldi ist wieder dabei. Aber es sieht so aus, als ob auch hier die Erweiterung schon in der Mache ist. Übrigens erinnert mich Izmir stark an Hongkong, welches auch auf beiden Seiten einer Bucht liegt mit starkem Busverkehr (hier per Wasser wie eben in Hongkong) von rechts nach links. Und zu beiden Seiten sind die seeseitigen Straßen mit Hochhäusern bebaut (nur in Hongkong jeweils 20 Stockwerke höher) und ein ununterbrochener Autostrom fließt die Uferstraße entlang. Es ist fast nicht zu glauben, aber pünktlich um 1700 ertönt tatsächlich das Zeichen zum Hochziehen der Ladebrücke, die etwa 1715 einrastet und verriegelt wird. Beim Auslaufen kommt uns langsam die Grande Anversa entgegen, die wohl unseren Liegeplatz einnehmen wird. Mit Interesse wird das Entern des Schiffes durch den Lotsen über eine Jakobsleiter fotografisch festgehalten, dann ist Izmir schon abgehakt, denn unser Fahrplan hat sich geändert, wir fahren zuerst Limassol (Zypern) an, welches wirklich Sinn macht gegenüber dem Ursprungsplan, und dafür müssen wir schon unsere Unterschrift unter das Pass/Zoll-Formular setzen.
Für den restlichen Nachmittag haben sich meine beiden Canadier in den Schatten verzogen, während ich in einer gut klimatisierten Kabine diesen Bericht schreibe Und um 1800 sitzen wir am Tisch und lassen uns das Abendessen servieren. Für Interessierte: Nach einer Hörnchen-Nudelsuppe gibt es gedünstete Auberginen mit hart gekochtem Ei und danach ein typ.ital. Wiener Schnitzel, welches so dünn ist, dass man zwischen den beiden Pannageseiten gerade noch ein 2 mm dickes Fleischstück entdecken kann. Reiner Zufall, aber es gibt dazu wenigstens Salat. Zum Nachtisch wie immer Obst. Bei einem kurzen Gang nach draußen stelle ich fest, dass es empfindlich kühl geworden ist und ich verziehe mich in die Kabine. Ich muss gestehen, Izmir würde mich evtl. noch einmal interessieren, eher jedoch Istanbul, wenn ein türkisch-sprechender Begleiter dabei wäre.
Samstag, 8.5.: Tag 13 an Bord: auf See
Wir "pflügen" mit etwas mehr als 16 kn=30 km/h durch die Aegäis, laufen zwischen Olimbos und Rhodos gerade auf 36° Nord und 27° Ost. Weit im Süden liegt Kreta. Vermutlich werden wir Limassol am morgigen Sonntag gegen 0500 erreichen. Der Tag sieht noch nicht vielversprechend aus, denn jetzt um 0915 ist noch immer alles sehr dunstig, aber die Sonne versucht sich ihren Weg zu bahnen. Am Frühstückstisch gab es eine etwas unangenehme Diskussion, denn Eve hatte noch etwas Geld von mir zu bekommen, was aber nicht der Grund war. Sie behauptet, ich hätte mit dem Taxifahrer gestern etwas abgemacht, dabei hat sie dauernd auf ihn eingeredet, so wie sie auch auf die Crewmitglieder einredet, die sie jedoch nicht verstehen, was sie aber nicht von ihren Kommentaren abhält. Die Sache war aber schnell behoben, der unangenehme Geschmack bleibt und wird vermutlich dazu führen, dass wir bei solchen Ausflügen getrennte Wege gehen, was unökonomisch ist. Aber klare Fronten bringt.
Die Crew hat heute auf See eine neue Aufgabe übernommen: Da in Izmir viele Fahrzeuge entladen wurden, werden nun die Autos vom Oberdeck in die unteren Decks verfrachtet und es ist ein dauerndes Reifenquietschen, wenn -ähnlich einem Parkhaus (aber eben auf lackiertem Stahlblech)- die PKWs in engen Kurvenfahrten in die unteren Etagen verbracht werden. Die Crew muss hier alles können und den Chiefmate (1.Offizier) Francesco Russo habe ich schon die dicksten Baumaschinen fahren sehen ebenso wie Container-Buggies und jetzt eben PKWs. Es sind so quasi Allround-Jobber. Aber für Fotos unter Deck bekomme ich einen leicht negativen Fingerzeig, also Fotografierverbot.
Der Tag auf See ist  lediglich von der Unruhe des PKW-Umsetzens geprägt, bei bester "Sonnenbestrahlung" mit entsprechenden Schutzmaßnahmen war er ansonsten ziemlich leblos, zumal man außer einem Kreuzfahrtschiff der Aida-Gruppe in Richtung Rhodos gegen 1000 nichts, wirklich nichts sah, was jedoch auch an dem ganztägigen Dunst am Horizont gelegen haben kann. Es ist ein Tag für Sonnenanbeter, nur haben wir keine an Bord. Jetzt um 1900 liegen wir unter 35° Nord und 30° Ost etwa auf der Höhe von Antalya und laufen mit 15 kn und zwangsläufig ökonomischem Treibstoffverbrauch bei glattester See auf Zypern zu. Es hat eh keinen Zweck, Vollgas zu geben, denn vor 700 werden am morgigen Sonntag (obwohl es den eigentlich in Häfen gar nicht gibt) keine Hafenarbeiter zu bekommen sein. So ist es sinnvoll, die Strecke auf "just-in-time" in Zypern zu programmieren.
Sonntag, 9.5. Tag 14 an Bord: Limassol  (230.000 EW)           
Gegen 700 laufen wir den Hafen Limassol (Zypern) an und gegen 900 gehe ich von Bord, sehe mir den gerade eingetrudelten "Truppentransporter" Ocean Village (geschätzt 1800 Gäste) an und komme mit einer Hostess ins Gespräch, noch dazu auf deutsch, die wie etwa 10-15 weitere darauf warten, ihren Job als "Guide" -Führer, Regenschirm hoch-alle folgen mir- antreten zu dürfen. Dazu sind dann auch etwa 15 Busse gechartert und irgendwann geht es los mit dem Überfall auf Limassol. Am späteren Nachmittag überfallen weitere etwa 2500 Besucher das Städtchen, denn da kommt die Costa Mediterranea an. Aber der Reihe nach: Ich muss durch eine personell unbesetzte "passenger-arrival"-Station und bin erst mal in den dortigen i-Punkt, also die Touri-Info eingefallen, wo man mich mit jeder Menge Material (deutsch) zu Zypern versorgt. Das ist schon mal gut. Da am Passagierterminal ein Bus hält, der alle 10-15 min fährt, 1,50€ kostet und Zypern ja EURO-Zone ist, fahre ich mit dem in die Innenstadt, steige am Busstop nahe der Kathedrale aus und gehe mal erst an die Strandpromenade, denn schließlich ist Sonntag und das Volk ergeht sich eben heute hier. Leider habe ich nur 3 Stunden Ausgehzeit bis 1300, die muss ich gut einteilen. Und so laufe ich über Märkte vor der Kathedrale, besichtige diese, weiter durch enge Straßen, wo nicht gerade die Masse der Besucher lustwandelt. Dabei falle ich sozusagen auch in die große Moschee hier in Limassol ein, die orthodoxe Kirche wird nicht ausgelassen, das alte Kastell empfiehlt sich von selbst durch seine Blumenpracht drumherum. Aber irgendwann genehmige ich mir einen Cappu und darf freundlicherweise den Cafe-eigenen Computer zu meinem email-Versand benutzen. Leider wird es danach langsam Zeit für den Rückmarsch, also Busstation gesucht, gefunden und -da kommt er auch schon. Jetzt muss ich am Passagier-Terminal doch durch die Security-Station und noch etliche hundert Meter laufen, denn unser Schiff liegt am Ende des Kais, aber mit 3 min Fehlzeit bin ich doch noch fristgerecht an Bord. Aber 1300 ist 1300 und das bedeutet: Mittagessen ist vorbei, ist auch nicht schlimm, das Auslassen der einen oder anderen Mahlzeit ist gut für die Linie. Danach ist noch ausgiebig Zeit, das Werkeln der Grimaldi-Crew zu beobachten und zu bewerten. Diesen Leuten gehört meine ganze ungeteilte Hochachtung, denn abgesehen von Arbeiten auf See können die einfach alles: Fahren der zu entladenden PKWs (nur in geringer Stückzahl, denn sonst sind komplette Driver-Kolonnen engagiert), Fahren von nagelneuen Bussen auf das Schiff, von Baumaschinen jeder Art und natürlich auch der zugehörigen Stapler und Container-mover. Die können wirklich alles!! Das habe ich dann aber auch mal dem Master gesagt mit der Bitte, diese meine Einschätzung an die Crew weiterzuleiten. Beim Blick über den Hafen stelle ich fest, dass inzwischen 5 Kreuzfahrer vor Anker liegen, deren Passagiere zur Freude der Geschäftsleute die Innenstadt bevölkern. Aber bekanntlich ist ja die Nachbarstadt Larnaka auch ein hochbeliebtes Urlaubsziel der Deutschen, zumal -siehe oben- EURO-Zone!!
Nahe unserem Schiff liegt noch die Sapphire, die zwar wie ein kleines Kreuzfahrtschiff aussieht, aber aufgrund der Fensterkonstruktion tippe ich eher auf ein Hospitalschiff.  5432DAußerhalb es Hafens ist eine Fischfarm zu sehen, wobei ich mich frage: Warum so nahe am Hafen mit seinen Emissionen und der Chance, durch auslaufendes Öl den gesamten Bestand zu verlieren?? Kurz vor dem Abendessen wird mir von Eve ein zugestiegener Passagier namens Hermes vorgestellt . Er bleibt bis Savona an Bord. Irgendwie fehlt mir vom ersten Moment an der Draht zu dem Mann, es sind viele Gründe, die sich zu diesem Bauchgefühl im Laufe der nächsten Stunden bereits herausstellen, es ist einfach so und daher werden wir sicher kein Liebespaar. Nachdem ich unserem Koch in perfektem italienisch eine Flasche kalten Wassers abgeluchst habe (er hat das Magazin unter sich), ist es soweit: das Abendessen wird serviert. Nach einer vorzüglichen Suppe gibt es gegrilltes Hühnchen mit leckeren Bratkartoffeln und als Nachtisch Eis. Schließlich ist Sonntag !! Basta!!
Montag, 10.5.: Tag 16 an Bord: Ashdod   (210.000 EW)                       Ashdod-Google-maps
Ashdod südlich Tel Aviv -unser heutiges Ziel, eine Stadt, die erst 1957 gegründet wurde- erreichen wir etwa 0600 bei 31° Nord und 34° Ost. Was für ein Hafen, nach Haifa der zweitwichtigste in Israel. Gentrys und Ladebäume in Mengen! Auf einem begrenzten Areal wird hier "gezaubert". Allein die Menge der Autos, die hier stehen, erinnert mich allenfalls an Antwerpen, es müssen mehr als Zehntausend sein. Sind sie alle entladen oder sollen welche verladen werden? Aber es ist keine Autoindustrie hier. Fragen über Fragen. Aber vorerst ist warten angesagt. Unser "Neuer" geht nicht von Bord, weil er dann innerhalb eines Jahres nicht nach z.B. Beirut (insgesamt also Libanon) darf aufgrund seines Stempels im Pass. Aktuell um 0915 sind wir Passagiere aus den Fängen der weibl. Immigration-Offiziere entlassen, dürfen nun auf einen "Kurzpass" warten und dann von Bord. Wiedererscheinen steht nicht fest, aber vor 2000 tut sich nichts. Der Taxifahrer, den Eve und John bestellt hatten für die Tour nach Jerusalem, kurvte mit uns mehrfach durch den halben Hafen, bevor wir die Kurzpässe in der Hand hielten und wirklich rausfahren konnten. Auf meinen Wunsch hin lässt mich der Taxifahrer an einer Ampel raus, wo es nach Jerusalem geradeaus geht und nach Ashdod rechts ab und verweist noch auf die Landeswährung "neuer Shekel" für den Bustransport. Aber zufällig sehe ich das Schild "Automuseum", einen Seitenstreifen eines privaten Autohauses mit vielen alten Karossen und Einzelteilen. Schaute mir das also an, war aber wirklich nichts besonderes, lediglich ein Mercedes der alten 280er-Klasse aus etwa 1965 in gutem Zustand und mit einer 50-Jahres-Plakette der Rallye London-Jerusalem 1948-1998 erregte mein wohlwollendes Aufsehen, das war es aber dann auch. Inzwischen war es sehr windig und staubig geworden, ich merkte, dass das weder mein Land noch meine Stadt war und machte mich auf den Rückweg zum Schiff. Vermutlich war ich auf dieser kurzen Strecke von etwa 2 km der einzige Fußgänger, der 2010 dort gesichtet wurde, denn hier rollten lediglich Unmengen von Trucks. Interessant war immerhin, dass die ganze Umgebung des Hafens von privaten Transportfirmen für das Abstellen von Containern angemietet war, denn die Grundstücke hatten keinen Zugang zum Hafen, nur zur Strasse. Nun gut, jetzt aber zu den Hafentoren. Na klar, mein Kurzpass wurde sorgsam unter die Lupe genommen, dann durfte ich passieren. So etwa 300 m weiter drehe ich mich zufällig um und glaube zu träumen: Da sind doch 2 junge Leute mit Rad und Ortlieb-Packtaschen an der Kontrollstelle. Ich wieder zurück, werde von der Offiziersfrau angeblafft, warum ich nicht zum Schiff ginge und antworte ihr darauf mit dem Hinweis auf die beiden Radfahrer. Robert (Rob) und Polly werden jetzt zu einem weiteren Tor geschickt, wo sie von einem Hafenagenten abgeholt werden sollen, was sehr lange dauert. In dieser Zeit unterhalten wir uns die ganze Zeit und siehe da, die beiden wollen zur Grande Mediterraneo und bis Salerno mitfahren. Sie kommen aktuell aus Ägypten, dürfen aber in Alexandria nicht zusteigen und sind daher hier nach Ashdod weiter geradelt. Insgesamt kommen sie aber derzeit aus Südafrika (wirklich geradelt). In Salerno gehts wieder in den Sattel und über La Spezia und die Riviera dei Fiori und Paris ab nach England, ihrem zuhause. Ich gebe ihnen schon mal mit, was sie vom Schiff wissen müssen. Irgendwie hat aber wohl alles geklappt mit den Immigration-Officers, denn um 1515 sehe ich sie frisch geduscht im Salon wieder. Aber weder sie noch ich bekommen noch etwas vom Mittagessen mit, also muss man sich mit der Focaccia und dem Schmalzgebackenen über Wasser halten. Die Frage nach "Waschmaschine" und "Gym" konnte ich per Führung dorthin beantworten.Unterdes bemerke ich beim Einsammeln von den durchgeschwitzten Wäscheteilen, die ich wie auch gestern an der Schottür aufgehangen hatte, dass sich ein Hemd unerlaubt von Bord entfernt hatte. Macht nichts, es ist ausreichend Ersatz da. Beim Abendessen erzählen Eve und John von dem Ausflug nach Jerusalem/Bethlehem. 2 x 1,5 Std. Fahrt, viel Verkehr und vor allem sehr viel Verkehr in Jerusalem und Bethlehem, da jeden Montag und Dienstag dort BarMizwah (sowas wie Konfirmation - siehe Kishon) gefeiert wird und die Städte proppevoll waren. Ansonsten soll es eine üppige Blumenpracht  rund um die heiligen Stätten gegeben haben. Ich denke, einen solchen Ausflug macht man im Rahmen einer Spezialreise ganz bezogen auf den Besuch der christlichen Stätten. Wir legen exakt 0030 ab, der Lichterbaum wird ausgeschaltet und nur die Positionslampen brennen noch. Eine rauhe See erwartet uns.
Dienstag, 11.5.: Tag 17 an Bord: Alexandria (4,5 Mio EW)
Nichts tut sich an Bord, was erzählenswert wäre, außer der Tatsache, dass sich der in Limassol zugestiegene Passagier namens Hermes etwas die Sympathien verspielt. In jede laufende Unterhaltung klinkt er sich ein und inzwischen wissen alle sicher schon zum 5. Male, dass er in Savona von Bord geht, mit dem Zug über Paris nach London fährt, um sich auf der QM2 einzuschiffen. Und wen er im Laufe seiner sechs Lebensjahrzehnte schon alles kennen gelernt hatte neben der Queen Elizabeth Taylor und Richard Löwenherz. Kurz vor Mittag war dann doch eine große Rauchwolke am Himmel zu sehen, es sah aus, als ob ein Schiff brennen würde. Da aber kein SOS gefunkt wurde, vermutet Chefing. Tondelli eine Ölbohr-Plattform. Und nach 15 min bestätigt sich das auch, denn wir fahren in einiger Entfernung dran vorbei. Es ist außerordentlich windig seit der Nacht, man muss sich regelrecht beim Rundgang dagegen anstemmen. Optisch ist kein übermäßig großer Wellengang zu verzeichnen, trotzdem rollt das Schiff durchaus bemerkenswert von rechts nach links, aber alles hält sich im Rahmen. Pierluigi, der 3.Offizier, bestätigt mir gerade Windstärke 6. Um 1530 erreichen wir die Reede von Alexandria (der größte Hafen von Ägypten und sozusagen die inoffizielle Hauptstadt, "Perle des Mittelmeeres") , wo mich schon wieder mehr als 10 wartende Schiffe fatalerweise auf einen wahrscheinlich längeren Zwangsaufenthalt einstimmen. Er hält sich in Grenzen, denn um 1656 entert etwas waghalsig der Lotse (aber das ist schließlich sein Job, auch bei Windstärke 6) das Schiff und wir schippern langsam in den wirklich großen Hafen (wobei das hier nur ein Teilhafen ist, etwa 5 km weiter westlich liegt der neuere Hafenteil mit den Gantrys), vorbei an gesunkenen Schiffen, lassen die "Faruk-Marine-Base" -die wie der Präsidententempel aussieht- links liegen, bevor wir unsere Mole erreichen. Trotz aller Bemühungen dürfen wir nicht von Bord, da keine Kurzpässe ausgestellt wurden vom Immigration-Officer. Nach langem Herumstehen an der Rampe also wieder zurück auf Deck 10. Polly und Rob wollten mit ihren Rädern den Stadt-Ausflug machen und waren hinter den letzten Autos her die ganzen Rampen runtergefahren, natürlich Kopf tief eingezogen, den sonst der nächste Stahlträger abgetrennt hätte. Die beiden ließen es sich nicht nehmen, nach den aussichtslosen Ausgeh-Verhandlungen diesen Weg auch wieder nach oben auf "ihren Parkplatz" nahe der Küche zu nehmen. Ich sehe mich unten noch etwas um und fahre dann auch nach oben, wobei ich Gianni, meinem Erstkontakt an Bord über den Weg laufe, der gerade die Flaggen einholt. Ich frage, warum die Flaggen eingeholt werden und höre, dass das Vorschrift ist. Dann legt er das Schiff noch in gleißendes Licht und entschwindet. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer geworden.
Mittwoch, 12.5.: Tag 18 an Bord: auf See
Mitten in der Nacht -0130- ertönt ein nicht enden wollender greller Dauerton der Sirene. Ich springe aus dem Bett und in meine wichtigsten Sachen, die auf dem Sofa liegen, packe nur noch mein Portemonnaie mit den Papieren und will zum Mannschftsraum, als mir der 3.Offizier Pierluigi -selbst noch in Schlafkluft- entgegen kommt und einen Fehlalarm andeutet. Kurze aber prägnante Aufregung, die -für mich bei der Länge und der Höhe des Dauertones völlig unverständlich- keinen der anderen Passagiere auf die Beine gebracht hatte, angeblich sogar nicht einmal einer gehört hatte. Also wieder ausziehen und zurück ins Bett.
Um 0630 dann erneutes aufwachen mit der Feststellung, dass wir schon eine kleine Weile unterwegs sind, aber noch Schiffe auf Reede passieren, also dürfte um etwa 0530 abgelegt worden sein. Nach unserem Frühstück um 0830 orte ich gegen 9 Uhr unseren Standort und notiere 31° Nord und 29° Ost, beide Werte, vor allem natürlich der Ost-Wert- ändern sich mit jedem Meter unserer Fortbewegung. Aktuelle Geschwindigkeit 18,4 kn = etwa 35 km/h   Ansonsten nehme ich gut eingecremt ein Sonnenbad, welches nur durch das Mittagessen unterbrochen wird. Bei kurzen Zwischen-Rundgängen sowohl auf unserem Passagierdeck 10 als natürlich vor allem auf dem Oberdeck muss man sich mächtig gegen den Wind stemmen, den ich auf identisch mit gestern einstufe, also 6, aber ohne zugehörige Wellenbewegung, die ist fast normal. Wir laufen also langsam in Richtung Sizilien, diesmal unter Kreta her, und vermutlich werden wir Salerno gegen Freitag-Mittag erreichen. Hoffentlich durchfahren wir nicht wieder die Straße von Messina bei Nacht, das wäre ungerecht. Aber bis dahin sind es noch etwa 36 Stunden.
Donnerstag, 13.5.: Tag 19 an Bord: auf See
Wir "aufmerksamen" Passagiere hatten gestern abend mitbekommen, dass die Uhr um eine Stunde zurückgestellt werden musste in dieser Nacht, da wir von der EET-Zeit wieder in die CET eintauchen, aber das hatte der andere Tisch wieder nicht mitbekommen und so saßen bereits um 7 Uhr einige Leute im Salon und spielten Karten!! Etwas mehr aufgepasst und sie hätten unter der Bettdecke bleiben können. Nach der "neuen" Zeit schaue ich um Mitternacht (der übliche Gang...) mal aus dem Fenster und sehe jede Menge Lichter, packe mein GPS, will zur Deckstüre raus und stolpere schon wieder über telefonierende Crew-Mitglieder, die natürlich genau wissen, wo Empfang ist und wo nicht. Ein interessanter Hinweis kommt nach Rückfrage von Gennaro: Vodafone bietet den Seeleuten einen Spezialtarif an, damit können sie weltweit -bei Empfangsmöglichkeit- für 2€/Stunde mobil telefonieren. Ich finde das außerordentlich günstig unter Berücksichtigung der allgem. Roamingpreise. Trotzdem -so sagt Gennaro- sei natürlich die Telefonrechnung immer zu hoch.
Wir laufen exakt mittig unter Kreta in Küstennähe entlang, daher Licht und Mobilphone-Empfang. Außerdem wieder ein wundervoller Sternenhimmel.
35°Nord und 21°Ost zeigt mein GPS jetzt um 0730 an, wir haben knapp 20 kn Geschwindigkeit bei normaler See, jedoch trübem Wetter und liegen etwa in der Mitte zwischen Kreta und Sizilien. Die Sonne lädt am späteren Vormittag dann doch noch zum Sonnenbad ein, allerdings weniger für die Crew, die heute das Deck schrubbt. Ansonsten ist es wie üblich schön und schön windig, so um Windstärke 6. Heute gibt es ein besonders üppiges Mittagessen, wovon ich nur den ersten Gang nehme (Antipasti und dazu eine Art Schokobrötchen, nur anstatt Schoko hier Schinkenstücke), da alles folgende mehr der Magenfüllung als dem Geschmack dient. Jetzt um 1930  wollen Polly und Rob eine kleine Diashow über ihre Radtour von Südafrika ans Mittelmeer zeigen. Die Bilder sind sehr eindrucksvoll und beweisen auch den Mut der beiden (Foto) heute 30-jährigen (seit 15 Jahren ein Paar und seit 7 Jahren verheiratet), da sie von 2007 bis 2009 in Südafrika gearbeitet haben und sich dann per Rad auf den Heimweg machten (hier nachzulesen). Etwa ein Jahr sind sie nun auf der Piste und gegenüber Afrika recht nahe an zuhause. Es ist 2115 und ich sehe die ersten Festlandlichter vom ital. Stiefel, die Strasse von Messina werden wir vermutlich so gegen 0200 erreichen, wofür ich mir vorsichtshalber den Wecker stelle.
Freitag, 14.5.: Tag 20 an Bord: Salerno                                               Salerno-Google-maps
Nein, es war nicht die vorkalkulierte Zeit, wir durchfahren die Strasse von Messina zwischen 2330 und 0030 am Freitag-Morgen. Ein überwältigendes Lichtermeer zu beiden Seiten empfängt und entlässt uns, der Lotse geht um 0030 Uhr von Bord und ist mit Sicherheitsgurten angeleint wegen des starken Windes. Jetzt aber ab ins Bett!
Etwa gegen 0600 erreichen wir den Golf von Salerno und um ca. 0800 haben wir festgemacht. Da Salerno der Heimathafen von Grimaldi ist, liegt natürlich schon ein Schiff hier, die Grand Benelux, während im Laufe des Tages das Schwesterschiff der Mediterraneo einläuft, die Gran Betagna. Einige Crewmitglieder sind von Bord gegangen und wollen eine kurze Familienauszeit nehmen, werden aber wieder bei Grimaldi anheuern und so muss man sich an einige neue Gesichter gewöhnen. Wir liegen diesmal noch weiter vom Hafentor weg und es ist schon eine schöne Wegstrecke bis zum Bus, der mich für 1,10€ an der gesamten Hafenpromenade entlang bis ans (in etwa) andere Ende von Salerno bringt, wo ich aussteige, ein Eis esse, etwas rumlaufe und wieder zurückfahre. Das war meine Sightseeing-Tour. An einem alten Wehrturm bin ich aus- und den Turm hochgestiegen, brachte meinen Herzschlag in Wallung. Gute Übersicht auf mittlerer Höhe. Es probte gerade eine Theatergruppe dort, denn offensichtlich wird hier Freiluft-Theater gespielt. Wieder runter auf Straßenniveau und weiter zum  i-Punkt, um meine emails abzusetzen. Wer sitzt bereits vor dem Rechner? Mein Mitfahrer Hermes, der aber kurze Zeit später den Platz freimacht, damit ich diesen Bericht nachhause schicken kann, um Familie, Freund und Feind wissen zu lassen, wo ich stecke und wie es so geht. Für künftige Passagiere lasse ich mir noch 20 Stadtpläne einpacken, die ich später im Salon auslege. Jetzt aber ab zum Castello d´Areci, welches hoch über der Stadt liegt und einen unvergleichlichen Blick über die gesamte Amalfi-Küste bieten soll. Gemäß Anweisung vom i-center gehe ich bis zur "Piazza XXIV Maggio" und warte dort auf den Bus 19 mit Ziel "Croce". Der Bus fährt in größeren Abständen, daher ist warten angesagt, bevor er kommt und durch enge Straßen langsam den Berg -Serpentine für Serpentine- hochklettert. Am Ziel "Croce" angekommen, frage ich den Busfahrer nach dem Weg und er bedeutet mir, dass ich für das Castello wieder den halben Weg mit zurückfahren müsse, da hätte ich vorher aussteigen müssen. Also wieder ein Stück zurück und dann raus auf dem Castello-Parkplatz.Das Versprechen ist nicht zu toppen, die Aussicht -noch dazu bei strahlendem Sonnenschein- überwältigend  (siehe hier). Allerdings war der Anstieg nicht einfach: Natürlich zu Fuß -meine Pumpe jauchzt!!-, aber die Aussicht entschädigt. Zurück warte ich auf den Bus -wo bleibt der bloß?- da startet ein Pullmannbus mit ganzen 4 Leuten, die ich vorher auf dem Castello gesehen hatte. Ich frage mit dem nötigen Nachdruck, ob man mich gnädigst mitnimmt und es wird zugestimmt. Während der Abfahrt konstatiere ich, dass es Mitglieder der Regions-Handelskammer sind, einer spricht hervorragend Deutsch und wir unterhalten uns über Grimaldi bis zur Stadtmitte, wo ich mich dankend selbst entlasse. Das war eine gute Fahrt gewesen, 5 Leute in einem 50-Sitzer!
Ich wandere noch etwas durch die Straßen und konstatiere: Die meisten Italienerinnen sind ganz schön aufgebrezelt, haben in der rechten Hand in jedem Falle ein Mobiltelefon und in der linken eine Zigarette. Langsam lenke ich meine Schritte (auch per Bus) in Richtung Hafen, wo ich dann gegen1830 eintreffe und mit den restlichen Passagieren Gedankenaustausch zum heutige Tage betreibe. Gegen 2100 mache ich einen Frischluft-Rundgang und stelle fest, dass "unser Karren" wieder voller Autos steht, diesmal FIAT in Richtung UK und Dänemark. Rob und Polly haben den DVD-Player angeworfen und einen Hugh-Grant-Film eingelegt, den ich mir eine Weile ansehe, dann aber doch müde werde und meine Kabine aufsuche. Hier herrscht jedoch ganztägig Frischluft, die Müdigkeit ist verflogen und daher setze ich mich an den PC, um den Bericht mit den Daten des heutigen Tages zu vervollständigen. Dann aber ist Augenpflege angesagt, was nicht minder den Füßen und Knien gut tut. Noch ein kurzer Blick zum Schwesterschiff gegenüber und dann ade!
Samstag, 15.5.: Tag 21 an Bord: Auf See
Jegliche Eile am gestrigen Freitag, das Schiff (wie üblich) rechtzeitig zu erreichen, wäre hinfällig gewesen, denn erst um 0500 lief die GM aus in Richtung Norden - Savona. Als wir uns um 0730 zum Früstück treffen, laufen wir gerade an Ischia vorbei und der Kapitän lässt mich wissen, dass sei "seine" Insel, hier ist er zuhause. Ansonsten herrscht eine steife Briese so um 7 würde ich schätzen (wird mittags bestätigt), die uns zwar kaum berührt, aber einen Decksaufenthalt lediglich zum Luftholen zulässt, denn man könnte glatt das Fliegen lernen. So zeigen uns denn Polly und Rob noch weitere Bilder ihrer aufregenden und strapaziösen Radtour durch den afrik. Kontinent (Route Süd - Route Nord -etwas Geduld beim Laden!). Gegen 1100 orte ich nochmals unseren aktuellen Stand, der uns bei 41°Nord und 12° Ost  etwa auf halber Strecke zwischen Neapel und Rom, südlich von Anzio (Landung der Lufttruppen der Amerikaner im 2. Weltkrieg) sieht. Wir stampfen derzeit mit gerade mal 32 km/h durch die etwas rauhe See und selbst das Fotografieren wird zum Abenteuer. Sogar mein sonst immer sauber geputztes Fenster ist voller Wassertropfen, wie man sehen kann, also sind Aufnahmen aus der Kabine gestrichen, zudem schlingert das Schiff erstmals jetzt doch etwas mehr, so dass man sogar im Gang zum Handlauf greifen muss. Ein Versuch, das Oberdeck zu erklettern, schlägt fehl, ich brauche alle Hände, um mich festzuhalten, da kann von Fotos keine Rede sein. Resumee: Biscaya (auf der Hinfahrt) glatt - Mittelmeer zwischen Sardinien und Festland stürmisch. Ich könnte fast sagen, ich habe das erste Mal das Gefühl, auf einem Schiff zu sein. Inzwischen ist es Nachmittag 1645 und aktuell befinden wir uns auf der Höhe von Mitte Korsika bei 33 km/h, immer noch sehr unruhig, aber etwas abgeflaut. Übrigens gab es heute abend als 3.Gang (!!) "bistecca", also frei übersetzt "Beefsteak", was jedoch ein ganz und gar miserables Kotelett war, aber auch ein guter Koch kann aus schlechtem Rohmaterial nichts mehr zaubern. Ich werde auf Fleisch beim Rest der Fahrt verzichten, ist sicher zu verkraften.
Sonntag, 16.5.: Tag 22 an Bord: Savona  (65.000 EW)                  Savona-Google-maps
Nach der etwas stürmischen Nacht (aus der Sicht einer Landratte) laufen wir frühzeitig gegen 0550 Savona an, müssen rückwärts reinschieben (wie in vielen Häfen, da die Laderampe ja hinten ist) und sind gegen 0700 festgemacht. Eigentlich war klar, dass für uns das gemeinsame Frühstück noch obligatorisch war und das war dann auch so. Aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt als EU-Bürger das Schiff schon längst zwecks Landgang verlassen können, wollte aber die versprochenen Aufnahmen von Polly und Rob, die Rampe herunterfahrend, nun auch machen. Aber wenn dann die Policia erst um 1000 antanzt und die Pässe um 1030 freigegeben werden, gemäß Rampen-Hinweis aber bereits um 1130 "sailing" angesagt ist, dann hat man keine Chance zum Landgang. Also bleibt es bei den endlich zu machenden Aufnahmen und für uns -Eve und John und mich- ist der Sonntag verdorben. Zwar ist wieder wunderbares Sonnenwetter, auf dem Wasser sind Segel- und Motorboote zu sehen, typisch sonntäglich ruhig. Das ganze Desaster hat die Costa Concordia gebracht, die gegen 0720 langsam einlief und etwa gegen 0800 festgemacht haben dürfte. Bei vermuteten 2000 Gästen wurde natürlich erst der Kreuzfahrer abgefertigt, obwohl wir da bereits etwa eine und 1/2h im Hafen. Ob Costa hier bevorzugt wird, weil es die sog. "homebase" der Costa-Line ist ?? Auf jeden Fall ist Savona der Verschiffungshafen für Fiat, Lancia, Alfa und Iveco(LKW), daher auch für Grimaldi eigentlich ein starker Anlegeplatz, wird bisher jedoch nur in Richtung Norden angelaufen, ab Sommer aber auch in Richtung östl. Mittelmeer. Mit "sailing 1130" war natürlich auch nichts, aber dann wurden um 1300 die Trossen gelöst und das Schiff bewegte sich, um etliche hundert Alfas und eine Menge Iveco-LKWs schwerer, langsam aus dem Hafen. Die Fahrt geht (vorerst noch) in Sichtweite so bekannter Ferienorte längst zurückliegender Jahre wie Finale Ligure, Albenga, Imperia, San Remo, Bordighera, Menton und schließlich Monaco weiter. Auf der Höhe von Imperia sehen wir im Hinterland sehr klar die schneebedeckten franz. Alpen. Aber der Wind frischt auch langsam wieder auf und um 1630 -vermutlich und kaum richtig ortbar für mich auf Höhe Monaco- treten langsam die Konturen des Festlandes in leichtem Dunst in den Hintergrund, klar, denn wir müssen ja in Richtung Südwest auf Gibraltar zusteuern. Hinter uns kreuzt die Korsika-Sardinien-Fähre Nizza-Bastia der Costa-Line auf dem Weg nach Bastia unseren Weg. Inzwischen haben wir Cannes und Frejus (da kommen Gedanken an alte Fahrradzeiten hoch) schon lange hinter uns gelassen und werden in Kürze die Landspitze bei Le Levandeau (einst bekannt für Nacktbaden) passieren, danach wird die Küstenlinie des Golf du Rhone mit Toulon und Marseille weit zurücktreten und erst wieder bei Sete näher in unser Blickfeld kommen. Ich will noch kurz berichten, dass wir es wieder mit langlaufender Dünung zu tun haben, die den Horizont aus meinem Kabinenfenster verschwinden und nach 15 sec wieder auftauchen lässt, dazu gehört auch eine seitliche Krängung. Um die Sonnenuntergangsaufnahmen zu machen, muss ich mich ganz schön festhalten wegen des starken Windes. So gegen 2200 kracht es ganz schön an der Bordwand, das Wasser zerstiebt nur so. Das wird eine lustige Nacht. In der Ferne sieht der Himmel gerötet aus durch viele Lichter und ich stelle fest, dass wir bei 42°Nord und 5°Ost genau vor Marseille liegen, daher der Lichtschein am Firmament.
Montag, 17.5.: Tag 23 an Bord: Auf See
Nach einer unruhigen Nacht u.a. mit einem Schlag wie ein Böllerschuss ist der Tagesbeginn doch freundlicher und wir drei Passagiere sind nicht nur wieder unter uns, sondern es ist auch die anfängliche Ordnung wieder hergestellt, keine verschüttete Milch oder Kaffee, keine halbaufgegessenen Brötchen, die rumliegen, einfach wieder alles ordentlich. Heute morgen lagen wir in Höhe Barcelona und jetzt aktuell zwischen Tarragona und den Balearen. Es ist zwar noch immer etwas Unruhe im Wasser, aber man merkt es kaum noch (es ist nur ein kontinuierliches Zittern im Schiff) und es ist vor allem so gut wie kein Wind mehr da, der uns am Rumlaufen hindert. Da man sich unter zwei Parteien auch schnell in organisatorischen Dingen einig werden kann, habe ich heute Morgen die Waschmaschine in Besitz genommen und wasche mal alles durch, was bisher so getragen wurde -eine Menge! Und während wir so dahinschippern, mache ich die zu jedem Kapitel gehörenden Bilder upload-fähig. Aber es hält mich nicht lange am Platz, denn die Balearia, die Fähre zwischen Ibiza und Valencia, läuft hinter uns in Richtung Festland vorbei.
Nach dem Mittagessen dürfen wir unter Führung von Giovanni (dem wievielten?), dem 3.Ing. den Maschinenraum besichtigen und es beeindrucken einen nicht nur die Maße des Maschinenraumes und der Geräuschpegel, sondern auch die techn. Maße: 7-Zylinder-Maschine mit 15540 kW bei 112 U/min, 600mm Wellen-Ø, Zylinder-Ø 620mm bei einer Hublänge des Zylinders von 1800mm, das entspricht einer Kolbengeschwindigkeit von 6,7m/sec. Natürlich gehört auch eine komplette Werkstatt-Ausrüstung mit spanabhebenden Maschinen nebst umfangreichen Ersatzteillager dazu, man muss einfach gerüstet sein. Aus den Katakomben aufgetaucht, ist es schön, mal wieder ein Sonnenbad nehmen zu können in Erinnerung der letzten Nacht. In einem windstillen Eckchen kann man so wieder aufgewärmt werden, was für die Jungs an der Maschine nur zu einem müden Lächeln führen würde.Da taucht plötzlich im Dunst ein riesiger Felsbrocken auf, was nach Kartenortung die Landspitze bei Benidorm sein sollte, die weit ins Meer ragt. Gegen 1730 passieren wir die Zeitgrenze, da zum Nordwert von 38° der Ostwert auf 0° gefallen ist und jetzt nach West umschlägt, also wieder Greenwich-Time. Wir werden die Uhr auf dem Schiff aber erst nach Passieren der Straße von Gibraltar umstellen. Auf dem Wasser sind sogar wieder 3 Segelboote zu sehen, die sich sputen müssen, um vor Sonnenuntergang wieder im angepeilten Hafen zu sein, was ebenso für einen Katamaran gilt, der recht nahe unserem Schiff läuft. In der Ferne, allerdings wesentlich näher unter Land, etliche Gas- und Container-Frachter zu sehen. Gegen 2000 passieren wir die Queen Victoria der Cunard-Line, die gen Osten fährt. Auch eine spanische Fregatte war am späten Nachmittag auszumachen, die allgemeine Küstensicherung, aber auch gegen "boatpeople" ist sicher vorrangig. Nach vorsichtiger Schätzung dürften wir Gibraltar morgen gegen 1200 erreichen und damit Setubal (bei Lissabon) abends. 
Dienstag, 18.5.: Tag 24 an Bord: auf See
Es ist genau 0900 und wir nähern uns langsam Gibraltar, meine Voraussage dürfte wohl richtig sein mit mittags.
Was gibt es zu berichten zwischen 0700 und jetzt? Um 0800 Position 36°Nord 3°West etwa bei Malaga. Unsere Borduhr (und damit verbunden die Mahlzeiten) noch immer auf mitteleuropäisch eingestellt. Wäsche eingesammelt und geordnet abgelegt. Weit links von uns läuft ein Gastanker der Reederei Berge, die Berge Phönix, ein schwerer Brocken. An Land einige etwas größere Bebauungen, es dürfte sich um Figuerola, Benidorm und Estepona handeln, die etwa 100 km vor Gibraltar liegen. Nachdem wir Malaga so gegen 1100 haben liegen lassen und später dann auch noch die bekannte Millionärssiedlung Marbella, schaffen es tatsächlich, kurz nach Beginn unseres Mittagessens den Felsen von Gibraltar vor der Nase zu haben. Hier verdichtet sich natürlich der Verkehr, aber alles in sehr moderaten Grenzen. Sowohl in Algeciras, aber auch in Tarifa, dem südlichsten Punkt Spaniens mit dem allerletzten Leuchtturm auf dem Festland, starten dann täglich Fähren nach Tanger bzw. vicversa. Während im Mittelmeer wieder bei mäßigem Wind ein Sonnenbad sehr gut möglich war, schiebt hier der Atlantik langsam seine Wellen rein und am frühen Nachmittag so gegen 1600 ist es wieder recht stürmisch, das Meer bildet eine weiß-blaue Oberfläche und -wie man bei manchen Gelegenheiten sagen könnte, hier stimmt es- "Länge läuft"-, was nicht mehr und nicht weniger heißt: Kurze (küstennahe) Schiffe gehen ganz schön rauf und runter, den "langen Pötten" merkt man kaum etwas an. Trotz des etwas rauhen Wellenganges kann man auf der linken Schiffsseite (Backbord-Portside) ein genüßliches Sonnenbad nehmen, während das auf der rechten Seite (Steuerbord-Starboard) wirklich nicht möglich ist. Vermutlich blocken die Aufbauten unserer GM die Nordwestwinde hier erheblich ab. Zum Abendessen (Cegna) kommt dann die Durchsage, dass wir diese Nacht die Zeitumstellung durchführen (-1 h), die korrekt gestern um 1715 hätte erfolgen sollen. Da wir aber ein autarkes System sind, können wir unsere eigenen Regeln aufstellen, die nur nicht mehr gelten, wenn wir Setubal anlaufen, denn da ist es eben 1 Stunde weniger als auf unserem Schiff. Inzwischen hat sich das Kabbelwasser mit dem zugehörigen Wind, immer bei Befahren der Straße von Gibraltar vorhanden, wieder zurückgebildet und der Nordatlantik zeigt ein bisher gutmütiges Gesicht, hoffen wir, dass es so bleibt. Selbstgeschätzte Ankunftszeit etwa zwischen 0500 und 0600.
Hier übrigens noch ein kleiner Hinweis: Wenn man einen längeren Gang hinunter gehen muss und eine lange Dünung das Schiff stetig anhebt und wieder absinken lässt, wird man unwillkürlich beschleunigt oder entsprechend abgebremst, als ob man schneller werdend einen Berg runtergeht und anschließend direkt wieder bergan gehen muss.
Mittwoch, 19.5.: Tag 25 an Bord:  Setubal  (140.000 EW)                 Setubal-Google-maps
Da wir mit reichlich Zeit versehen (auch durch die Uhrumstellung) -trotz rauher See in der Nacht- schon sehr früh (etwa 0400) die portugiesische Hafenstadt Setubal -nur wenige km von Lissabon entfernt- anlaufen konnten, mussten wir auf Reede warten bis der Pilot gegen 0600 an Bord kam, um uns in den Hafen zu lotsen, wo 0745 unsere Rampe abgelassen werden konnte. Jetzt haben wir drei Passagiere uns verabredet, um 0830 den Landgang anzutreten, was wir auch in diesem Moment tun. Der Weg durch den Hafen ist etwa knapp 1 km weit, dann taucht man aber auch schon in die Altstadt ein. Die zwei rennen, als ob es irgendwo etwas zu trinken gäbe, daher entscheide ich mich für eine "Ferntrennung", da ich gerade an der Bibliothek vorbeikomme, die in 3 min öffnet und Internet hat. Alle anstehenden Aufgaben werden abgearbeitet und ich schlendere durch die Altstadt, durch sehr enge Gassen, aber überall sind Läden in den Häusern. Dazwischen besorge ich fürs Schiff im Tourist-Büro  i-Punkt  wieder 20 Setubal-Pläne für weitere Mitfahrer, die sich so wenigstens schlau lesen können. Das Wichtigste jetzt: Es sind gefühlte 40° (um 1610 auf dem Schiff 37,5°) und manchmal habe ich das Gefühl, eher zu torkeln als zu gehen, obwohl ich wie fast alle hier immer den Schatten suche. Die Altstadt ist voller Leben, obwohl auch eine Menge Häuser vom Verfall bedroht sind, leerstehen, Dach schon eingefallen etc. Zu Mittag wollte ich eigentlich Fisch in einem der sehr vielen Restaurants essen, aber wie verständigen, zumal bei der Rushhour um 13 Uhr die Einheimischen einfallen. An einem schönen Platz war ich daher gerade wieder aus dem angepeilten Restaurant raus, als ich gegenüber einen "Buffet-Chinesen" sehe, rein und-- ja, hier bleibe ich. Sowohl Sushi als auch alles andere wird komplett für 5,-€ angeboten, dazu direkt 2 x Fanta, insgesamt sind 7,-€ zu berappen. Noch eine Frage?? Nach dieser Erholungspause gehts weiter, verschiedene Punkte müssen absolviert werden gemäß Tourist-Dame (sehr nett!), aber alles wird allein wegen der Hitze nicht geschafft. Unsere "deadline" war mit 1600 angegeben, also steuere ich um 1400 den Supermarkt an der Hauptstraße an, kaufe etwas zum knabbern ein und schließe alles (auch mein Handgespäck) in ein Schließfach ein, denn die Getränke werde ich erst nachher mitnehmen. Wen treffe ich denn da?? Den Master und den Chefing., die auch etwas einkaufen wollen. Also nochmal rumlaufen und dann um 1515 wieder in den Markt, Getränke gekauft und jetzt mit allem beladen die nächste Bushalte anvisiert. Nach 10 min kommt der Bus 607, ich berappe 1,15€ und bin nach 4 Haltestellen am Hafeneingang, muss jedoch noch die 800 m bis zum Schiff laufen, bevor ich mich um 1550 auf die Couch fallen lassen kann. Dann aber Dusche und leichte Klamotten anziehen und dem Abend etwas abgeschlafft aber nicht kaputt entgegen sehend. Unsere Überraschung ist aber groß, als plötzlich unsere "deadline" zur "sailing-time" wird und tatsächlich legen wir um 1620 ab mit neuem Ziel: Bristol /England. Beim Ansteuern der offenen See sehen wir noch diverse Sandbuchten, wo reger Badebetrieb herrscht, nebst den Standardsportarten Wasserski oder Jetboot-Fahren. Es ist einfach schön und nun kann man verstehen, dass viele Leute Jahr für Jahr an die "Costa del Sol" fliegen zum Urlaub. Der Tag ist noch nicht ganz zu Ende; Weit entfernt rechts von uns passieren wir Lissabon auf Höhe 38°Nord und 9°West und wenn wir die nächste Ecke passiert haben, wird uns der Atlantik kräftig ins Gesicht blasen, er probt bereits hier im Golf von Lissabon.
Donnerstag, 20.5.: Tag 26 an Bord: Auf See
Bei 42°Nord und 9°West nördlich Vigo empfängt uns langsam die Biscaya. Neben uns (was heißt hier neben uns? Das sind etwa 600m Abstand) läuft ein Containerschiff der UACS mit geschätzten 4000 TEUs mit fast gleicher Geschwindigkeit von 19,5 kn in Richtung Norden. Noch immer ist unverkennbar sowohl Dünung wie Rollen im Schiff zu verspüren. Inzwischen hat die Crew alle Fahrzeuge im "Obergeschoss" von ihren Fesseln befreit (unlashed) und bringt nun alle Fiat und Alfa ins zweite Unterdeck, wo sie wieder fixiert werden. Das bringt Zeitgewinn in Bristol und die Mannschaft (wenigstens die kutschierende Offizierscrew) hat einen Riesenspaß, alle etwa 8 min 5 weitere Fahrzeuge bewegen zu dürfen, während die Filipinos die Autos neu verspannen. Wie oft fährt man auch schon unterschiedliche Alfas im Leben? Inzwischen ist es kurz vor 1200, In wenigen Minuten gibt es Mittagessen und vorher habe ich auf der Brücke kurz die Windgeschwindigkeit abgefragt, die mir mit 40 km/h angesagt wird. Beim Mittagessen wurden sogar die Fenster der Messe durch einen besonderes kräftigen Wasserschlag abgespritzt. Ja, bei 43°Nord und 9°West und Fahrtrichtung NordOst 3° hat uns jetzt um 1300 die Biscaya fest im Griff, was sich nicht ändern wird bis morgen abend oder Samstag. Bei einem Rundgang beidseits des Passagierdecks -auf dem Oberdeck würde man wohl wegfliegen- stelle ich fest, dass weder mitlaufender noch gegenläufiger Verkehr zu verzeichnen ist. Nur sind plötzlich zwei Seemöven da, die uns eine Weile begleiten. Sehr elegant gleiten sie, nur durch gelegentlich schnelle Flügelschläge unterbrochen, wie Segler neben einem her. Wie aufgetaucht sind sie ebenso plötzlich wieder verschwunden.
Hier kurz ein Blick auf unser heutiges Abendessen: Getränk nach Wahl und Mineralwasser steht am Platz, 1.Gang: Reissalat mit Schinken, Ei, Käse, Tomate, Fenchel = sehr lecker, 2.Gang: Hühnchen mit Bratkartoffeln, wer will, kann die mit Speck gefüllten Brötchen dazunehmen, Nachtisch: Rikotta-Käse, Topfkuchen, Obst, Espresso oder Cappuchino nach Wahl.
Freitag, 21.5.: Tag 27 an Bord: Auf See
Es ist 0900 und noch immer rollt unser Schiff leicht in der Querrichtung. Wir befinden uns etwa mittig zwischen Brest und der südlichsten Spitze Englands bei 48°Nord und 6°West und unser "Liner" läuft unter 2,5° nordöstlich auf Bristol zu, welches allerdings noch etwa 360 km entfernt ist. Wenn man alle Fakten auf einen Nenner bringt, sollten wir gegen 2200 unser Ziel erreichen. Das wiederum würde Ausladen am Samstag heißen und uns hoffentlich einen vollen Ausgehtag bescheren. Es ist in diesen Breitengraden natürlich wesentlich kühler als dort, wo wir herkommen, und daher ist ein Hemd mit langen Armen angezeigt, obwohl die Sonne sehr schön scheint und man an einem windgeschützten Plätzchen angenehm sitzen könnte, wenn eben der Wind nicht wäre. Ich habe gerade mal einen Kurzausflug auf Deck 6 gemacht. Hier stehen LKWs und der Raum ist hoch. Jede Welle, die gegen das Schiff kracht, macht hier einen Höllenlärm, was mich zu einem schnellen Rückzug anregt. Inzwischen haben wir den Mittagstisch verlassen und ich stelle fest, wir haben die alleräußerste Spitze von Cornwall bei 49°N und 5°W erreicht, sehen die ersten Segler, das erste Leuchtfeuer ist gerade passiert. Was für ein eigenartiges Gefährt ist denn da östlich in Sicht? Offensichtlich werden Teile einer Offshore-Plattform von einem Schlepper gezogen. Nachdem wir jetzt in die "Celtic Sea" einbiegen und wieder Kurs Norden nehmen, wird ein weiteres Siff sichtbar, welches der Versorgung solcher Anlagen dient, und ein weiteres nochmals eine Stunde später. Irgendwo in der "Celtic Sea" sind oder werden Offshore-Anlagen gebaut. Und dann ein schönes Erlebnis: Eine Tümmler-Familie kreuzt unseren Weg, geschätzt etwa ein gutes Dutzend Tiere, die da in leichten Sprüngen durchs Wasser jagen. Bevor wir in den nächsten Minuten (es ist jetzt 1900) hinter der gerade auf unserer Höhe liegenden Landzunge noch stärker nach Nordost in Richtung Bristol eindrehen werden, haben wir eine riesige Sattelitenanlage (Funk?Telefon?Weltraum?) auf dem Hochplateau hinter uns gelassen. Selbst durch das Fernglas lassen sich keine besseren Details erkennen, aber es müssen so um die 20 Schüsseln sein, die für die diversen Nachrichten-Übertragungsarten hier stehen. Unterdessen ist es nach 2100 und so wie ich die Sache sehe, laufen wir im Moment schon langsam, werden auf Reede liegen und früh morgens festmachen.
Samstag, 22.5.: Tag 28 an Bord:  Bristol (UK)  (400.000 EW)          Bristol-Google-maps
Der letzte Satz war falsch schlussgefolgert, denn aufgrund hier vorhandener Tiede sind wir gegen 0300 durch die Schleuse am Royal Portbury-Dock gegangen und haben um 0345 angelegt. Soweit der techn. Bericht.
Da wieder mal keine Polizei kommt und wir doch eine unglaubliche Ausgehzeit haben (bis 2200), jedoch nicht wissen, wie wir nach Bristol kommen sollen, gehe ich zum Hafen-Polizeiposten und dort hat man nichts gegen unseren Landgang einzuwenden. Nun jedoch die Frage, wie kommen wir nach Bristol?? Von Grimaldi ist absolut (!!!) keine Hilfe zu erwarten. Jeder hat ein Mobil in der Tasche, aber mal eben den örtlichen Taxidienst anrufen, ist nicht möglich, obwohl 3 Crewmitglieder an der Rampe Dienst haben. Wir laufen wie bescheuert durch die Gegend, sprechen jeden an, egal ob Vorarbeiter der Verladecrew oder Kantinenmitarbeiter der Hafenkantine, nein, niemand kann angeblich helfen. Das muss hier einmal klar herausgestellt werden!! Letztlich hat Eve einen Mitsubishi-Händler (-Supplier) angesprochen, der seine Fahrzeuge inspizieren wollte, Er ist so freundlich (wirklich wörtlich!!), uns in den nächsten Ort Portished zu dem Taxistand zu fahren, von dort geht es zur Innenstadt Bristol. Preis 20 ₤. Für den Rückweg weiß ich jetzt den Preis als Grundlage und kann, da der Weg von Bristol aus zu den Docks etwas länger ist und ich an der Suspensionbrücke noch Fotos machen will, feste 25 ₤ aushandeln, was offensichtlich nicht schwierig ist. Bristol selbst besichtige ich an diesem Samstag bei Jahrhundert-Wetter ausgiebig (9 Stunden haben meine Füße und Kniee aushalten müssen). Bei 400.000 EW habe ich das Gefühl, es müssen mehr als 1 Mio Leute unterwegs sein. Eine Wahnsinnsstadt (übrigens Partnerstadt von Hannover), ein Wahnsinnspublikum auf den Straßen, eine Wahnsinnsstimmung allgemein. Auf Befragen im i-Punkt wird das Wetter von über 30° als Grund angegeben in Verbindung mit dem langen Bank-Wochenende. Überall auf den Straßen stehen die Leute vor den Kneipen, um ihr "Lager" oder "Ale" zu trinken, es ist einfach nicht zu beschreiben. Dazu kommt für Besucher der überwältigende Eindruck der Jahrhunderte alten Architektur, die einen an jeder Ecke gefangen nimmt, obwohl Bristol im 2.WK zu 50% zerstört wurde, wie ich ebenfalls in Erfahrung bringen kann. Ich bin jetzt vor der Kathedrale, natürlich wie bei allen Kathedralen ein Riesenbauwerk, im Uni-Viertel und gehe in eines dieser victorianischen Monstergebäude, die öffentliche Bibliothek. Es geht sehr leise zu, das Ausleih-Material ist riesengroß und mein Ziel liegt jetzt im Obergeschoss, dem Saal mit Computern zur Internetrecherche, geschätzt 30 PC stehen hier und werden bis auf wenige auch alle genutzt. An einem mir zugewiesenen Platz setze ich meine emails ab und gehe wieder durch das Hauptgeschoss, wo ich weitere PC-Plätze sehe, nach draußen. Auf der Rückseite der Bibliothek ist reger Betrieb. Offensichtlich sammeln sich hier Eltern, die ihre Kinder zu einem Chorauftritt bringen, denn gleich nebenan ist ein Gebäude mit der Aufschrift "Bristol Choir School". Die haben auch schon in Hannover gesungen! Wenn das Durchschnittswetter unserem Wetter in Deutschland gleichen sollte, wäre Bristol eine Stadt, die überzeugen könnte. Es gibt vieles zu besichtigen, und im  i-Punkt liegt der Stadtpan für den nächsten Besucher bereit! Detailbeschreibungen meiner Eindrücke unterlasse ich, es wäre zuviel des Guten. Aber "St.Nicholas Markets" zwischen High-, Corn- und St.Nicholas-Street will ich noch erwähnen, eine unglaubliche Anzahl kleinster Verkaufsstände, wo wirklich alles an den Mann/die Frau gebracht wird, dazu sicher die gleichgroße Anzahl von Ständen, die sich um die allfällige Verpflegung der Besucher kümmern. Mehr dazu über eine Internetrecherche. Der Rückweg per Taxi ist oben bereits beschrieben und so lande ich gegen 2000 (also viel zu früh) wieder am Schiff. In meiner Kabine bin ich froh, endlich Schuhe und Kleidung abwerfen zu können, unter die Dusche zu gehen und dann langsam die Fakten des Tages zu sammeln, die für Grimaldi nicht gerade schmeichelhaft sind.
Jetzt warten wir auf den nächsten Tiedenhochstand und werden diese Stadt ansonsten mit sehr positiven Erinnerungen verlassen. Noch ein Schlusswort zur Ladefähigkeit eines Sciffes wie die GM: Als letztes wurden mehrere Fertighäuser auf das Schiff verbracht, die in Cork (Cobh) wieder entladen wurden, weil sie natürlich alles auf der Rampe blockierten.
Sonntag, 23.5.: Tag 29 an Bord: See / Cork  (EW)                           Cork-Cobh-Google-maps
Gegen 2330 war die Tide wohl so hoch, dass abgelegt werden konnte. Langsam bewegt sich das Schiff vom Pier weg, immerhin liegt nur wenige Meter hinter uns die "Aquarius Ace", wo um diese Zeit noch jede Menge Fahrzeuge von Bord fahren. Das Drehmanöver in dem relativ kleinen Becken und die anschließende Schleusung auf See-Niveau (6 m Höhenunterschied) nehmen eine komplette Stunde Zeit in Anspruch, so dass wir gegen 0030 im offenen Fahrwasser langsam Fahrt aufnehmen können. Das offene Schleusentor kommt einem kleinen Containerfrachter gerade recht, der bereits gewartet hatte und nun in die Schleuse einläuft. Jetzt endlich ist Bettzeit gekommen, was auch meine Knochen signalisieren. Aber es ist ja Sonntag und die Sonne lässt sich auf meiner Tour nicht verschrecken und steht bereits am Morgenhimmel, wir erwarten also erneut -vermutlich so gegen 1200 in Cork einlaufend- einen schönen Tag. Beim Frühstücksgespräck wird noch einmal klar, dass wir einen außergewöhnlichen Tag in Bristol erwischt hatten, der uns diese Stadt und seine Menschen in guter Erinnerung halten wird. Aber das, lieber Leser, konnte noch getoppt werden, wie Ihr gleich lesen werdet. Da die Lotsen schon an Bord waren, wurde unser sehr frühes Mittagessen durch andauerndes Aufstehen und raus zum Fotografieren beeinträchtigt, denn während der ganzen Einfahrt in das Inlet zum Hafen von Cobh (gesprochen coof - früher Queenstown 6200 EW), der zu Cork (120.000 EW) gehört, war der sich bietende Anblick einfach schön. Nachdem wir dann immer weiter ins Hinterland vorstoßen und endlichgegen 1300 unseren Liegeplatz erreichen, festmachen, frage ich die beiden Piloten, wie man denn am besten in den Ort käme, da wir von Wasser umzingelt sind. Da sagen doch die beiden Piloten tatsächlich, "wenn sie sich beeilen, nehmen wir sie mit!" Na, wenn das kein Wort ist! Ich kann nur noch schnell den Master nach meiner "deadline" fragen -2100- dann Kamerazubehör geschnappt, Portemonnaie war noch in der Hose, Kopfbedeckung und hinterher zum Aufzug. Ja, wo geht es denn hin?? Natürlich zur Jacobsleiter, unten schaukelt das Boot, die beiden Piloten zuerst runter, dann ich, aber bravourös!! Und dann die Fahrt mit dem Pilot-Boat! Absetzen am kleinen Fischerei-Anleger (also wieder bei schaukelndem Boot auf die Steinstufen, die ins Wasser führen) und...geschafft! Danke an die beiden Piloten!! Das dürfte wohl kaum wiederholbar sein. Es ist jetzt 1315. Der Sonntag in Cobh erfüllt alle Erwartungen, wieder (ähnlich Bristol) jede Menge Leute unterwegs. Der Ort ist außerordentlich hügelig, wie man auch auf Bildern sehen kann (und was meine Knochen auch prompt registrieren).. Es geht eben vom Strand an direkt in die Höhe. Und auf halber Höhe tront dann St.Colman´s Cathedral, eine imposante Kirche, sowohl außen wie innen und mit 49 Glocken eines der "schlagstärksten" Geläute auf den brit. Inseln. Aber Cobh ist auch Bischofssitz (Diocese of Cloyne) und der ist nicht von schlechten Eltern, ebenso der Convent gegenüber.Um 1400 versammelt sich vor der Kirche eine engagierte Gruppe von Freizeit-Musikern (Holz- und Blech-Bläser + Schlagzeug) verschiedensten Alters, die wunderschöne Musik machen, so auch u.a. ein Stück aus meiner Sammlung "One Moment in Time", hier instrumental, auf meiner Musik-HD ganz stark von Shirley Bassey gesungen. Leider würdigte viel zu wenig Publikum diese Darbietung. Nun aber auf zur Touri-Info, um wieder einmal 20 "roadmaps" abzustauben, natürlich nur für künftige Passagiere der Grande M. Damit laufe ich nun den ganzen Nachmittag herum, sehe mir die Stelle an, wo sowohl die Titanic als auch die Lusitania auf Reede gelegen haben, bevor sie ihr Schicksal ereilte, Titanic 1912 auf der Jungfernfahrt und Lusitania 1915 auf der Fahrt von NewYork nach Liverpool, 40 km von Cobh entfernt von deutschem U-Boot versenkt. Zwischendurch nehme ich wie gestern einen großen "Smoothie" zu mir (eine Mischung aus Früchten eigener Wahl, Eis, Fruchtsaft und das ganze dann im Mixer gemixt, eiskalt, schmeckt nachhaltig gut). Brauche dadurch weder Kaffee noch Abendbrot, denn dazu habe ich erneut einen 500gr-Becher Yoghurt eingekauft. Zwischenzeitlich habe ich an mehreren Taxiständen -das wäre der normale Weg, wieder an die GM heran zu kommen: Taxi, mit Taxi auf Fähre und weiter bis zum Schiff- nach dem Preis gefragt und der lag zwischen 40 und 25 €, denn in Irland sind wir im EURO-Land. Aber gegen 1900 frage ich einen Fischer, den ich beobachte, wie er gerade seine Tagesgäste absetzt, ob er bereit ist, mich zur GM (in Sichtweite) zu schippern. Klar, macht er, Preis?? Mit 10€ bin ich dabei und los gehts. Wir tucken an der Marinebasis vorbei und nach 10 min Fahrt ist diese Bootstour beendet. Direkt vor der GM geht am Pier eine Enterleiter nach oben, John zieht das Boot hier heran und erneut ist Klettern (und nicht zurücksehen) angesagt, aber dann stehe ich wieder auf festem Boden. Danke für die gute Fahrt, John-Boy!! Ich gehe am Poller vorbei, noch ein Blick und Wink zurück zum davontuckernden John und werde wieder von der Crew in Empfang genommen. Passagier Nr.8 meldet sich an Bord zurück! Ein unvergesslicher Tag!! Und alles bei schönstem Sonnenschein, konnte mich noch nicht einmal eincremen durch das spontane Mitfahrangebot der Lotsen. Unser Irland-Aufenthalt -situationsbedingt ohne jegliche Kontrollen- endet gegen 0030.
Montag, 24.5.: Tag 30 an Bord: Auf See
Überraschung!! Ein kurzer Blick auf den Brückenplan zeigt an, dass nicht Esbjerg unser nächstes Ziel ist, sondern direkt Walhamn/Schweden, was wenigstens 2 Tage auf See heißt. Und als zweite Überraschung stelle ich für mich fest, dass wir nicht weiter durch die Irische See (Celtic Sea) nach Norden fahren, sondern den Weg zurück an Südengland vorbei und durch den Kanal nach Norden nehmen. Da könnte ich ja locker in Belgien abgesetzt werden!! (Spaß muss sein) Gründe für die Umdisposition liegen meist in der Ladung, obwohl wir ja für Esbjerg die Kiste auf Deck 10 voller Fiat haben. Und eine Menge Fiat500 als Cabrio! Bei einem Rundgang habe ich festgestellt, dass Deck 9 absolut leer und Deck 8 nur zu einem kleinen Teil belegt ist. Um 1010 passieren wir den Leuchtturm im Meer, den wir bereits auf dem Weg nach Bristol passiert haben. Ob der Leuchtturm besetzt ist, kann nur vermutet werden, da ein Hubschrauber gerade eine große Ladung vom Lastenseil ausklinkt und wieder zurück fliegt. Vermutlich Versorgung jeglicher Art war der Lasteninhalt (Essen, Werkzeug, Verbrauchsartikel etc.). Beim Mittagessen erklärt der Master kurz, warum er durch den Kanal und nicht an den Hybriden vorbei nach Schweden segelt. Die Sonne scheint wieder mal ganz schön vom Himmel herab, da ist eincremen und Kopfschutz angesagt. Zu sehen ist im Moment nicht viel außer einigen Seglern, die sich etwas weiter vom Festland weg gewagt haben, aber auch die sind schnell aus dem Blickwinkel verschwunden, da die Sonne als Horizont einen Dunstschleier legt und man bei einem Rundumblick das Gefühl hat, in einem "luftleeren Raum" zu sein. Um 1600 haben wir den Längengrad um die bekannte Stadt Torquay schon eine Weile verlassen, gehen eher wieder auf die Isle of Wight zu und haben nach meinen Berechnungen bis zum Ziel Walhamn noch 1400 km zu bewältigen. Mittwoch-Morgen/Mittag dürfte -keine außergewöhnlichen Umstände einkalkuliert- unsere Ankunftszeit in Schweden sein. Wenn uns die Sonne weiter so bedient wie bisher, wird Sonnencreme-Knappheit ausbrechen! Und noch nicht mal Bilder sind zu machen, weil einfach nichts da ist. Ich bin dann gerade mit dem Abendessen fertig, als mir Dante, der zweite Offizier, ein Zeichen gibt und ich weiß, Arbeit wartet auf mich, Arbeit, die ich versprochen hatte und gerne mache: Gruppenfoto der Filippino-Crew. Also in verschiedenen Posen die Gruppe abgelichtet, etwas, was nachhause geschickt werden kann. Freude bei allen. Und am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, sehe ich wieder eine Delphin-Familie um unser Schiff herum springen. Fotos sind so gut wie nicht machbar, denn wenn man auf einen Punkt scharf gestellt hat, springen sie garantiert wo anders. Die Gelegenheit ist aber günstig und so mache ich von den drei "Brückenwächtern" einige schöne persönliche Aufnahmen im Rot der untergehenden Sonne. Wirklich gelungene Aufnahmen. Um 2130 noch ein Versuch, die Fähre Calais-Dover von P&O auf den Film zu bannen, mißlingt weitgehend, da sich beide Schiffe mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen, was auch ein Stativ nicht mitmacht. Ja, damit ist der Tag eigentlich gelaufen und ein neuer See-Tag wartet auf mich.
Dienstag, 25.5.: Tag 31 an Bord: Auf See
Die Sonne scheint mir um 0700 kräftig ins Gesicht und drängt mich zum Aufstehen. Auf dem Wege zum gemeinsamen Frühstück mache ich wie immer den Umweg über das Deck und verzeichne auf meinem Etrex-Vista-GPS, dass wir uns in der Höhe etwa Amsterdam befinden müssen, was auch durch mehrere Schiffe in unserer Nähe wahrscheinlich sein dürfte. Immerhin ist Rotterdam der größte Hafen Europas und Amsterdam liegt in seiner Spur, beide sind relativ nahe. Unser Steward Giuseppe läuft mit einer Jacke herum, ihm ist zu kalt, erklärt er, und tatsächlich hat sich die Sonne etwas verzogen, Nordeuropa läßt grüßen! Um 0840 habe ich die morgendliche Positionsfeststellung nachgeholt und sehe aktuell, dass wir uns bei 53°Nord und 3°Ost befinden, damit hätte unsere Uhr bereits wieder auf Central European Time umgestellt werden müssen. Wir werden das aber wie bisher den Schiffsregeln anpassen wegen der Essenszeiten. Aber anläßlich der neuen Peilung sehe ich mitten im Meer ein etwas größeres Leuchtfeuer, vermutlich so etwas wie ein EuroSeaControl, sofern es das gibt. Könnte natürlich auch etwas aus dem Bereich Offshore sein, sogar eher zu vermuten, da ich jetzt um 0915 sozusagen von Ölbohr-Plattformen umzingelt bin. Zähle so um die 15 Stück bei einem Rundblick, es dürften sehr viel mehr sein. Jetzt endlich kann ich das "Nordsee-Öl" auch mit eigenen Kenntnissen ergänzen. Vermutlich ist auch reger Hubschrauber-Verkehr hier, um die Versorgung der Plattformen sicher zu stellen, zusammen mit den sog. "Plattform-Versorgern", den Spezialschiffen für diese Aufgaben. Also Leute, jetzt hat mich die Schiffsführung doch etwas überrascht! Zur Kenntnis: Vor etwa 8 Tagen hatte ich dem Master die ID-card (Identity-card) der Canada-Senator gezeigt, womit man dort als Crew-Mitglied identifiziert wurde, wenn man an Land wollte und sich am Hafentor wieder ausweisen musste. Seinerzeit hatte der Chiefmate (1.Off.) ein Digitalbild geschossen und es in eine solche ID-card eingebaut. Der GM-Kommandant (Master) war eigentlich uninteressiert, aber am Tag drauf bat er mich, diese ID-card an Gennaro zu geben, den Offiziersanwärter. Und nun hat der tatsächlich eine ID-card auf dieser Basis hergestellt, ich bin allerdings der einzige, der sie hat (im Moment). Ist das nun eine Ehre für mich? Ich bewerte es mal so. ID-card hin, ID-card her, die lange Dünung bringt mich in die Wirklichkeit zurück, dass wir auf einem schaukelnden Schiff sind, welches im 45°-Winkel zur Dünung der Nordsee in Richtung Deutsche Bucht und weiter Dänemark stampft; ok, ist etwas übertrieben, bleiben wir bei fährt. Wie lange noch? Das wird sich zeigen, denn um 1300 zeigt sich die Deutsche Bucht (noch nicht einmal auf Dollart-Höhe) nicht gerade gastfreundlich. Und anhalten wird das auch noch eine gewisse Zeit, denn nach meiner GPS-basierten Kalkulation dürften wir erst am morgigen Mittwoch gegen oder nach Mittag in Walhamn sein. Anmerkung: Um 1715 liegen wir in Höhe der dän. Grenze. 2100: Würden wir Esbjerg anlaufen, wären wir bereits im Hafen, so aber geht die Schlingerei nach Wallhamn weiter. Das Wasser hat eine ganz andere Farbe bekommen, statt dunkelblau ist es jetzt richtig türkisfarbig. Die Uhr wird um Mitternacht eine Stunde vorgestellt.
Mittwoch, 26.5.: Tag 32 an Bord:  Wallhamn  (ohne eigene Population)          Wallhamn-Stenungsund-Google-maps
Nachdem uns der "blanke Hans" in das Skagerak entlassen hat und wir zuerst südlich und jetzt gen Osten unter 57°Nord und 11°Ost auf Wallhamn zufahren, ist es etwas ruhiger geworden. Aber die Nacht hat schon etwas an den Nerven gekratzt durch das dauernde harte Aufsetzen des Schiffes und der harten Schläge durch die Wellen. Umso erfreulicher ist der heutige Morgen.
Wer kennt Wallhamn, weiß, wo Wallhamn liegt? Keiner, es sei denn, man ist mal da gewesen. Man kann es noch nicht einmal auf einer Karte finden, es sei denn, einer Regionalkarte und auch da wird es dann noch mit V (Vallhamn) geschrieben, so dass man darüber hinweglesen kann. Es liegt auf der Insel Tjörn, nächstgrößere Stadt ist Stenungssund (15.000 EW - etwa 15 km entfernt) und von Stenungsund nach Göteborg, welches südlich liegt, sind es etwa 40 km. Wallhamn ist nur Hafen, ein Naturhafen, in einer unmittelbar unbewohnten, aber insgesamt traumhaften Umgebung.In Göteborg konnte sich der Hafen nicht ausdehnen (PKW-Stellplätze), daher wurde in der Umgebung etwas neues gesucht und gebaut. Viele kennen die Schären und von der offenen Ostsee bis zum kleinen Wallhamn (wo nur ein Schiff festmachen kann) geht es mit unserer GM etwa eine Stunde durch die Schären. Natur pur, da und dort typische schwedische Holzhäuser in rot oder weiß, ansonsten Wasser, noch mehr Wasser, Felsen, Wald - die Ruhe selbst. Genug geschwärmt: Wir haben wieder einmal das Glück, vom Piloten eingeladen zu werden, uns drei nach Stenungsund zu fahren. Was wir gerne annehmen. Zwar haben wir Ausgang bis 2100, aber wir werden weit vor der Zeit zurück sein, denn Stenungsund bietet außer Wassersport nicht übermäßig viel. Es ist einfach Natur. Was auffällt ist in jedem Falle, dass alle Leute, die ich/wir zu irgendetwas befragen, auch recht gut in Englisch antworten. Das fängt im Touri-Büro an (nachmittags sagt mir allerdings die Mitarbeiterin, dass sie ein Jahr in London gearbeitet habe), setzt sich in der Bibliothek fort und eigentlich überall, wo man etwas kaufen oder bestellen will, aber auch eiune Wegeauskunft bereitet keine Schwierigkeiten. Hier ist kurz auf das Kulturhaus in Stenungsund einzugehen, wo unter einem Dach (3-stöckig) Touri-Büro, Bibliothek, Kino, diverse Versammlungs-(Konferenz)-Räume, Kindergarten, eine Galerie, gut besuchte Cafeteria und noch mehr untergebracht sind. Ein wirkliches Multifunktionshaus. In diesem Stadtteil, der erst vor 15 Jahrem dem Meer abgerungen wurde, sind alle Einkaufsmöglichkeiten vorhanden und für mich interessant: In den meist 3-bis 4-stöckigen Gebäuden sind unten Geschäfte und darüber Wohnungen, anders als in unseren Einkaufszentren. Hier lässt sich wirklich gut wohnen -hautnah am Wasser. Die Menschen sind gut drauf, besonders die Jugendlichen scheinen den nahenden Sommer (und damit irgendwann Mittsommar) schon inhalieren zu wollen. Jede Menge Skatebord-Fahrer üben irgendwo und die Cafes am Wasser sind bereits gut besetzt. Eine Eisenbahn verbindet Stenungsund mit Göteborg für diejenigen, die ohne Auto mal richtige Stadtluft schnuppern wollen. Hätten wir bei 30min Fahrzeit auch gekonnt, wollte niemand. So habe ich dann schon morgens für 17 Uhr ein Taxi für unsere Rückfahrt geordert und pünktlich fährt die beste Mercedes-Karosse vor, um standesgemäß die GM-Passagiere zum Hafen zurück zu bringen. Die Rückfahrt zum Schiff ist wieder ein kleiner Naturfilm, zumal anderes Licht als morgens herrscht.Die Fahrt "bis an die Haustüre" kostet uns 300sKr= ~30€, für jeden 15,-€. Ente gut - alles gut - aber nachzutragen ist, dass Schweden doch merklich teurer ist als Deutschland, sowohl in Sachen Einkauf als auch Verzehr. Unsere Ablegezeit wird sich sicher wieder mal verzögern, aber es ist einfach unglaublich, was an Material in einen solchen Schiffsbauch geht. Wieviel aufgesattelte Zugmaschinen, Straßenwalzen, Verdichter, vor allem diesmal Container, natürlich Holz und sogar Fertigbetonteile, also alles Schwergut, hier verladen wurde und noch wird, ist sogar für mich als Techniker kaum vorstellbar. Und was solch eine RoRo-Schiffsart und damit -konstruktion aushalten muss. An Fahrzeugen haben wir nur wenige Saab und Volvo geladen, alle für Griechenland bestimmt.
Donnerstag, 27.5.: Tag 33 an Bord: Ankunft Esbjerg (80.000 EW)     Esbjerg-Google-maps
Es war für die Crew -soweit diensttuend- eine lange Nacht, wie mir auch gerade der 1.Off. Francesco Russo bestätigt. Erst nach Mitternacht konnte endlich die GM ablegen in Wallhamn, weil offensichtlich beim Beladen mit den letzten Gütern Probleme entstanden, da ich bereits um 2330 sah, dass mehrfach Container reingefahren und anschließend wieder rausgefahren wurden. Nun denn. um 0800 stehen wir bei 57°Nord und 8°Ost an der Nordspitze Dänemarks und bei noch zu fahrenden 186 km dürften wir voraussichtlich am Nachmittag Esbjerg erreichen. Bei gutem Wetter schippern wir nun an der Westküste Dänemarks entlang, zwar wieder unter kräftigem Wind, der auch noch kalt ist, aber doch erheblich entspannter als auf der Reise gen Norden. Auch heute morgen fällt mir wieder die Türkisfarbe des Wassers auf, wo partiell wie kleine Inseln tiefblaue Flächen enthalten sind. Nach dem Mittagessen große Foto-Session auf dem Oberdeck hinter der Brücke: Deck- und Maschinen-Crew in Großaufnahme. Bei der Annäherung an Esbjerg sieht man die riesigen Sandbänke, auf denen Strandleben stattfindet und weshalb Dänemark bei Familien-Urlaubern so beliebt ist. Aber für die Schifffahrt ist daher zwingend ein Lotse erforderlich und um 1530 gehen direkt zwei Piloten an Bord und führen uns in langsamer und kurvenreicher Fahrt in den Osthafen. Um 1650 ist festgemacht, die Großmaschinen werden abgelascht. Kapitän gibt uns bis Mitternacht Landurlaub und ich gehe sofort los, schlängele mich an den noch stehenden Baumaschinen vorbei und bin um 1710 draußen. Etwa 500m bis zum Musikhus/Kunstmuseum und gegenüber geht die Fußgängerzone los. Als erstes stelle ich fest, dass um 1730 alle Geschäfte schließen, auch Touri- i-Punkt. Also weiter zur Bibliothek, die bis 1900 geöffnet hat. Viele Internetplätze, Platz wird zugewiesen und los gehts mit emails abrufen und beantworten. Dann etwas Innenstadt ablaufen. Kleinigkeit kaufen, nur Kreditkarten-Zahlung möglich. Da alles geschlossen, sehr ruhig in der Innenstadt, daher jetzt Abendessen. Am besten ist es, die engl. oder auch deutsche Speisenkarte zeigen zu lassen.Weitere Aktivitäten entfallen durch die Abendzeit. Rückkehr zum Schiff. "Sailing" wird erst in den Morgenstunden sein.
Freitag, 28.5.: Tag 34 an Bord: Auf See
Die letzten Worte sind wohl wahr!! Anstatt auf See liegen wir noch in Esbjerg im Hafen, aber die Rampe ist bereits hochgezogen. Immerhin wird es doch noch 0815, ehe sich das Schiff vom Pier löst. Mit einer (aus meiner Sicht) seemännisch guten Leistung des Kapitän, nämlich das Schiff im engen Osthafen, der kaum breiter als das Schiff selbst ist, zu drehen, verabschieden wir uns aus Dänemark. Um 0915 geht der Lotse von Bord, und der war und wird immer sehr wichtig sein, denn gerade hier, im familienfreundlichen Sandstrand-Urlauberland, gehen die Sandbänke bis weit ins Meer hinaus und man sieht bei Niedrigwasser, welche wirklich befahrbaren Gewässer dann noch übrig bleiben. Nachzutragen ist, dass mir die große Anzahl von Containerschiff-Zubehör jeglicher Art rund um den Osthafen aufgefallen war, alles mit Marsk beschriftet. Ja, Esbjerg ist die "homebase" von Maersk und damit erklärt sich alles. Nun denn, auf nach Antwerpen! Aber so ohne letzten Gruß entlässt uns die Nordsee nicht, denn der Himmel zieht ein dunkles Gewand an und plötzlich hat das Wasser wieder weiße Kämme und zeigt uns, wer Herr im Hause ist.
Und jetzt (1300) bin ich etwas überrascht, denn ich hatte mit einer Fahrzeit zwischen Esbjerg und Antwerpen von etwa 32 Stunden gerechnet, aber es wohl nur um die 18 sein, so dass wir vermutlich am Sonnabend (also morgen) gegen 1000 den Hafen ansteuern werden. Dann wären ja sogar die im Masterplan genannten Zeiten eingehalten worden. Aber tue Gutes und sprich darüber: bei 54°Nord und 6°Ost zielen wir ja fast schon auf Holland zu (aber noch nördlich der ostfries. Inseln). Trotzdem werde ich langsam mal meine Sachen sortieren und -soweit möglich- bereits verpacken. So einiges am Nachmittag erledigt, geht doch auch die Nutzung aller Geräte langsam dem Ende zu, weil eben eingepackt werden muss, denn der Master hat noch einmal etwa 1000 als Anlandezeit bestätigt. Um 2030 stehen wir mit einer Peilung von 53°Nord und 4°West bei einem Südwest-Kurs und 33 km/h in der Höhe von Den Helder, also am Ijsselmeer vorbei. Leider entwischt uns ein Maersk-Supercarrier (geschätzt 8000 TEU), weil er schneller ist und in Richtung Amsterdam "abbiegt". Schade, hätte ich gerne noch gesehen. Dafür überholen wir gerade wieder einmal einen "Familien-Kreuzer" der  Saga-Cruiseline mit geschätzten "nur" 800 Passagieren. Gerade durfte ich um 2120 an meine Gastgeber Gijsbertus + Veronika van Hattem zum Abholen am Dock eine email über das Schiff absetzen (normalerweise gegen Gebühr). Auch auf der Nordsee gibt es wunderbare Sonnenuntergänge, wie ich soeben fotografieren konnte. Prompt sind wieder Abnehmer für ein solches Foto da und ich muss erneut kopieren. Überhaupt: Bisher dürfte das für die Crew ein Passagier der Sonderklasse sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemals jemand soviele Crewbilder gemacht hat. Es dürften etwa 200 Bilder der unterschiedlichsten Art (einschließlich hübscher Mädchen in den Häfen, mehr oder weniger auf Bestellung fotografiert) auf allen Crew-Computern im Umlauf sein. Wichtige sind mit einem Wasserzeichen versehen, die meisten sind für mich unwichtig und daher nicht gekennzeichnet. Unabhängig davon behaupte ich, über die Fotografie und auch, weil ich immer versuche, zuerst etwas in italienisch zu sagen, bevor ich auf Englisch umschwenke, hier an Bord Freunde gewonnen zu haben, die man zwar jetzt verlässt und die auch aktuell in den Hintergrund treten, aber auch bei denen ist man durch die Fotos in Erinnerung.
Samstag, 29.5.: Tag 35 an Bord: Ziel erreicht - Abschied
Saubere Leistung, Master, Friano! Schon sehr früh erreichen wir die Schelde-Mündung und tuckern den langen Weg bis Antwerpen hoch, immer vorbei an großen Chemie-Industrieanlagen. Gegen Frühstückszeit haben wir die Kallo-Schleuse erreicht, die uns ins innere Hafenbecken an unser Dock 1333 lässt, sie ist offen und wir können einfahren. Während wir frühstücken, hat sich ein Ölzulieferer noch neben uns geschoben und verlässt als erster die geöffnete Schleuse. In langsamer Fahrt -kennen wir ja schon von allen Innen-Häfen- fahren wir bis an unsere Dock 1333, wo bereits die Grimaldi Grande Brasil liegt. Um 0930 ist unsere Fahrt beendet, ich verabschiede mich von allen mir lieb gewonnenen Crewmitglieder, wuchte meine schwere Reisetasche sowie meinen Equipment-Rucksack in den Fahrstuhl, drücke zum letzten Male "Deck 3" und  muss mich durch die schweren Geräte, die gerade entlascht werden, vorsichtig nach draussen bewegen. Am "Security-Point" gebe meinen Passagierausweis an Rolli zurück, wir verabschieden uns besonders herzlich und dann wartet bereits mein Taxi in Form von Pastor van Hattem auf mich. Der jedoch hat seinen Sohn und einen Hausgast mitgebracht und es dauert fast 10 min, bevor uns der 1.Offizier noch einmal zu einer Besichtigungsrunde aufs Schiff zurück lässt. Wir fahren schnell nach oben, sehen uns Deck, Blick von Deck und die Innenräume an und dann wieder ab nach unten, wo bereits Eve und John ungeduldig auf uns warten, denn sie wollen ja in die Innenstadt und etwas von Antwerpen sehen. Nach 20min Fahrt setzt Gijsbertus van Hattem sie am Samstags-Markt neben dem IBIS-Hotel ab, wir verabschieden uns voneinander und nach wenigen Metern weiterer Fahrt haben die restlichen Mitfahrer samt Fahrer das Zeil, lutherse Kerk im Tabaksvest erreicht. Natürlich muss ich noch Leonidas einkaufen, einen Strauss Blumen für Veronika, Gijsbertus´ Frau mit Dank nochmals für alles und als letzten Dienst werde ich zum Bahnhof Antwerpen-Centraal befördert. Danke, Gijsbertus für alles !!
Die Rückfahrt nach Hannover war eine Irrfahrt mit Belgischen und Deutschen Bahnen incl. 5-maligem Umsteigen. Man hat das Gefühl, wenn die EU-Beamten und Abgeordneten am Freitag-Mittag die Büros geschlossen haben, werden bei den beiden Bahngesellschaften die Bürgersteige hochgezogen. Am Samstag jedenfalls gab es von Brüssel keine Verbindung ins nahe deutsche Ausland über eine Fernverbindung und auf deutscher Seite sah es nach endgültigem Erreichen von Aachen nicht anders aus. Nun gut, um 0:30 Uhr am Sonntag-früh wird die Zugfahrt in Hannover beendet, ich werde noch abgeholt und um 01:00 des 29.Mai 2010 endet meine Geschichte nach diesem letzten Punkt.